Margot Käßmann ist in ihrem Amt kaum zu halten

Posted: Februar 23, 2010 in Nachrichten, Politik
Schlagworte: , , ,

Alkoholfahrt

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche hat mit 1,54 Promille Alkohol im Blut eine rote Ampel überfahren. Aus Margot Käßmann, die sich als Wächterin strengster moralischer Maßstäbe profiliert hat und über jeden Verdacht der Eigennützigkeit erhaben schien, macht diese Alkoholfahrt einen fehlbaren Menschen. Landesbischöfin Margot Käßmann Sie ist die erste Frau an die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Landesbischöfin Margot Käßmann. Nichts wäre billiger, als Margot Käßmann nun mit Häme zu übergießen. Wer sich wie die EKD-Ratsvorsitzende so vehement auf absolute ethische Maßstäbe festlegt, sei es in der Afghanistan-Debatte, sei es in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen wie der um Hartz IV, der ist in besonderer Gefahr, im Falle eines eigenen moralischen Fehltritts von der Öffentlichkeit mit besonderer Gnadenlosigkeit zerfleischt zu werden. Kaum ein Spektakel ist für das Publikum nun einmal grandioser als der jähe Absturz des Moralapostels von seinem selbsterrichteten Sockel in die Niederungen der ganz normalen sündigen, bürgerlichen Menschenexistenz. Dass die evangelische Bischöfin mit 1,54 Promille Alkohol im Blut von der Polizei gestoppt wurde, weil sie mit ihrem Dienstwagen eine rote Ampel überfahren hat, entlarvt sie nicht als einen schlechten Menschen. Es beweist zunächst einmal nur, dass auch sie den Stressfaktoren der medialen Leistungsgesellschaft unterliegt, oder auch ganz einfach nur von ganz banalen menschlichen Schwächen nicht frei ist. Und schon gar nicht widerlegt ihr Fehltritt ihre inhaltlichen Aussagen zu politischen und gesellschaftlichen Problemen. Gerade wer Margot Käßmanns Auffassungen zu Krieg und Frieden und die praktischen Probleme der Bundeswehr am Hindukusch für fast unerträglich ignorant und oberlehrerhaft, ihr persönliches Auftreten in diesen schwierigen Fragen für anmaßend und selbstgerecht hält, sollte beide Ebenen streng auseinander halten. Die Ansichten Käßmanns sollten in ihrer argumentativen Konsistenz beurteilt und kritisiert werden – dass sie sich persönlich diskreditiert hat, sollte niemand dafür auszunutzen, auch die Auffassungen zu diskreditieren, denen Margot Käßmann ihre Stimme geliehen hat. Eine lässliche Lappalie stellt die Verfehlung der Bischöfin deshalb freilich noch lange nicht dar. Bei alkoholisiertem Autofahren handelt es sich um eine schwere Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, und gerade für eine Bischöfin, die sich so heftig als Wächterin strengster moralischer Maßstäbe profiliert hat, darf es dafür keinen entschuldigenden Kredit geben. Etwa in dem Sinne: Wer sich so um ethische Hygiene der Gesellschaft verdient gemacht hat, der darf sich schon einen einmaligen Fehltritt leisten. Ein einziger schwerer Fehler genügt gewiss längst nicht, um die Reputation einer öffentlichen Person, und schon gar ihre persönliche Integrität in Gänze infrage zu stellen. Er sollte aber auch nicht weniger streng bewertet werden als bei Menschen mit geringeren moralischen Ansprüchen. Aus zwei Gründen ist es schwer vorstellbar, dass Margot Käßmann jetzt noch in ihrem Amt noch zu halten ist. Da ist zunächst die instiutionelle Ebene, ihre Rolle als oberste Repräsentantin der Evangelischen Kirche. In dieser Funktion spielen nicht die persönlichen, psychologischen Befindlichkeiten Frau Käßmanns die entscheidende Rolle, sondern nur die objektive Beschädigung jenes Amtes, in dem sich das Selbstverständnis und die Außendarstellung der Evangelischen Kirche auf höchster Ebene verdichtet. In einer Zeit, da das Ansehen der Katholischen Kirche durch die zahlreichen Fälle von Missbrauch von Schutzbefohlenen schwer angeschlagen ist, werden sich die Protestanten ihrerseits kaum durch eine Repräsentantin an der Spitze angreifbar machen wollen, die sich eines strafrechtlichen Vergehens schuldig gemacht hat – auch wenn die grobe Fahrlässigkeit, die sie begangen hat, nicht annähernd mit den schweren Menschenrechtsverletzungen auf eine Stufe gestellt werden kann, die jetzt die Katholische Kirche erschüttern. Der zweite Grund, warum Margot Käßmann wohl kaum Ratsvorsitzende der EKD wird bleiben können, liegt in der Struktur ihrer Persönlichkeit und der subjektiven Art, wie sie ihren Glauben auszulegen und darzustellen pflegt. Kaum ein anderer öffentlicher Mahner und Warner in politisch-moralischen Angelegenheit stellt seine Überzeugungen so expressiv als Ausfluss einer tiefen inneren Gewissenserforschung dar wie Margot Käßmann. Ihren plakativen Vorstößen auf umstrittenem Terrain („Nichts ist gut in Afghanistan“) haftet stets jener „Hier-stehe-ich-und-kann-nicht-anders“- Gestus an, der ihren moralphilosophischen Maximalforderungen die zusätzliche Beglaubigung durch eine in schweren Gewissenskämpfen errungener persönliche Authentizität verleihen soll.

Quelle: Welt.de

Kommentare
  1. [...] soll Bischöfin Margot Käßmann auch eine rote Ampel überfahren haben. Die Bild Zeitung berichtet, dass sie angeblich nicht allein [...]

  2. Hubmann, Kerstin sagt:

    Liebe Frau Käßmann,
    bzgl. der Fahrkontrolle möchte ich Ihnen mitteilen, dass es doch gut ist, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Darüber können wir doch Alle dankbar und froh sein. Alles Andere läßt sich regeln.
    Wir können Ihnen nur mal wieder danken, dass Sie durch die ‘Alkoholfahrt’ viel Menschen wach gerütttelt haben, die auch schon mal leichtsinnig waren.
    Wer weiß wofür es gut war, vielleicht werden Sie an anderer Stelle gebraucht. Der liebe Gott gibt Ihnen immer wieder große Herausforderuungen und wird Ihnen auch wieder beistehen.
    Mit lieben Grüßen und Hochachtung
    Kerstin Hubmann

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s