Das Sturmtief “Xynthia” hat in Deutschland mindestens vier Todesopfer gefordert und schwere Schäden angerichtet. Am Frankfurter Flughafen wurden zahlreiche Flüge gestrichen, in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland wurde der Zugverkehr eingestellt. In Frankreich kamen mindestens 45 Menschen ums Leben.

Unwetter-Alarm in Deutschland: “Xynthia” ist einer der schwersten Stürme seit dem Orkan “Lothar” an Weihnachten 1999.
Das gewaltige Sturmtief „Xynthia“ hat in Deutschland weitere Todesopfer gefordert. In Nordrhein-Westfalen kamen bereits zwei Menschen ums Leben. Auf der B54 kam am frühen Abend eine 70-jährige Autofahrerin aus Ascheberg im Münsterland um, als ein Baum auf ihren Wagen fiel und das Fahrzeug in einen Graben rutschte. Wie die Polizei Coesfeld mitteilte, wurde die Frau eingeklemmt und musste mit einer Rettungsschere befreit werden. Sie erlag noch am Unfallort an der B54 von Werne in Richtung Herbern ihren schweren Verletzungen. Am Sonntagnachmittag war in Pulheim bei Köln bereits eine Joggerin von einem umstürzenden Baum erschlagen worden.
Unwetter über der portugiesischen Insel
Hessen kam ein Wanderer ums Leben. Der 69 Jahre alte Mann war mit einer Wandergruppe bei Taunusstein im Wald unterwegs, als die Gruppe vom Sturm überrascht wurde. Der Sturm fegte zahlreiche Äste von den Bäumen, einer davon traf den Rentner. Der Mann starb noch an der Unfallstelle. Am Sonntag hatte „Xynthia“ bereits in Baden-Württemberg ein Todesopfer gefordert. Nahe der baden-württembergischen Gemeinde Feldberg wurde ein Mann in seinem Auto durch einen umgestürzten Baum erschlagen, wie die Polizei in Freiburg mitteilte. Die Ehefrau des Opfers wurde demnach auf dem Beifahrersitz eingeklemmt. Die Frau sei schwer verletzt geborgen und mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden.
Bahnverkehr massiv beeinträchtigt
Durch den Sturm wurde auch der Bahnverkehr massiv beeinträchtigt. In Nordrhein-Westfalen wurde der gesamte Bahnverkehr vorläufig eingestellt. Im Südwesten des Landes sowie in Mitteldeutschland sei die Lage „sehr bedenklich“, sagte ein Bahnsprecher. Durch Äste in den Oberleitungen und umgefallene Bäume gebe es „zahlreiche kurzzeitige und mehrstündige Streckensperrungen“, teilte die Deutsche Bahn mit. Dadurch seien in ganz Deutschland Verspätungen und Zugausfälle zu erwarten. Zudem müssten die Züge wegen des starken Windes mit gedrosselter Geschwindigkeit fahren. Besonders betroffen waren den Angaben zufolge das Rhein-Main-Gebiet, das Saarland sowie Rheinland-Pfalz, wo die Bahn den Regionalverkehr vorübergehend einstellte. Auch im Frankfurter Hauptbahnhof fuhren nach Angaben der Bahn keine Züge mehr. Bis voraussichtlich zum frühen Abend sollte zudem der Fernbahnhof Frankfurt Flughafen gesperrt bleiben. Wegen Bäumen auf dem Gleis sollte die Moselstrecke zwischen Koblenz und Trier voraussichtlich bis zum Betriebsschluss am Sonntagabend gesperrt bleiben. Die Bahn informiert Reisende im Internet unter www.bahn.de/aktuell über die Störungen. Zudem können sich Zugreisende über die aktuelle Situation unter der kostenlosen Service-Nummer 0800-0996633 informieren. In der Nacht zum Montag wird “Cynthia” auch den Osten Deutschlands erreichen. So heftig wie in Teilen Süd- und Westdeutschlands wird es nach Angaben der Meteorologen aber nicht. Von Sturmböen bis zu orkanartigen Stürmen ist aber auch östlich der Elbe fast alles möglich. Vor allem in den höheren Lagen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rechnen die Meteorologen mit orkanartigen Stürmen. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stürmt es nicht ganz so stark. Zugausfälle wie in weiten Teilen Westdeutschlands gab es am Sonntagabend nicht. Allerdings wies die Bahn darauf hin, dass die Verspätungen bundesweit ausstrahlen werden. Auf dem Brocken im Harz wurden am Sonntag bereits Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von 148 Stundenkilometer gemessen. Auf der Schmücke im Thüringer Wald waren es 122 Stundenkilometer und auf dem Fichtelberg in Sachsen „nur“ noch 104, sagte der Meteorologe Gerd Saalfrank vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. „Es kann noch windiger werden“, dämpfte er Hoffnungen auf ein schnelles Abflauen. Erst am Montag könne es ruhiger werden. Der sich in den vergangenen Tagen zaghaft nähernde Frühling werde nun wieder in Schranken gewiesen: In Höhenlagen von 500 bis 600 Meter werde sich der Regen in Schnee verwandelt, sagte Saalfrank. Autofahrer auf den Straßen in den Kammlagen des Thüringer Waldes müssten sich auf Schneeverwehungen einstellen. „Xynthia“ bringt den in den nächsten Tagen den Winter zurück“, sagte er. In Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern werden Sturmböen erwartet: von leicht bis schwer, sagte Norma Liefke, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Potsdam. „Ein Ast kann schon mal brechen oder ein Baum umstürzen.“ Am Montag werde sich die Lage aber entspannen.
Mindestens 45 Tote in Frankreich
In Portugal und Nordspanien hatte sich „Xynthia“ zuerst ausgetobt. Im spanischen Baskenland erreichte der Orkan mit 228 Stundenkilometern nach Angaben des baskischen Innenministeriums Rekordgeschwindigkeiten. Dieser Wert liegt noch über den 213 Stundenkilometern des Jahrhundert-Orkans „Lothar“ im Jahr 1999. In Spanien starben zwei Männer, als ihr Auto gegen einen umgestürzten Baum prallte. Eine 82-jährige Frau wurde von einer umstürzenden Mauer erschlagen. Im Norden Portugals tötete ein abbrechender Ast einen zehnjährigen Jungen. In Frankreich sind durch das schwere Sturmtief mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Allein im Département Vendée seien 29 Menschen gestorben, teilte der französische Zivilschutz am Sonntag mit. An den Küsten habe der Wind eine Geschwindigkeit von bis zu 150 Stundenkilometern erreicht, berichtete der Sender France-Info. Ein junger Mann wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen, eine Frau von einem Eisenträger. Zwei Menschen erlagen einer Gasvergiftung, als sie wegen des Stromausfalls einen Generator in Betrieb nahmen. An der Atlantikküste ertranken 14 Menschen. In zahlreichen Orten in der Nähe von La Rochelle stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch in den Straßen. Air France strich etwa 70 von insgesamt 700 Flügen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. In den Pyrenäen stürzten Felsbrocken auf die Straßen. Die Grenze zu Spanien wurde zeitweise geschlossen. Xynthia ist einer der schwersten Stürme seit dem Orkan „Lothar“ Weihnachten 1999, der einen Schaden von etwa fünf Milliarden Euro angerichtet und in ganz Europa rund hundert Menschen getötet hatte.
Quelle:Welt.de

Das Unwetter ist nun auch vor meiner Haustüre. Mal sehen, wie es morgen hier ausschaut.
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