Stahlkocher wollen mehr produzieren!


Aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage wollen die deutschen Stahlkocher im laufenden Jahr mehr produzieren. Allerdings bereitet der Branche eine Preisexplosion bei den Rohstoffen Sorgen. 2009 wurden in Deutschland nur 32,7 Millionen Tonnen Stahl produziert, so wenig wie seit 1963 nicht mehr.

Die deutschen Stahlkocher wollen im laufenden Jahr wegen der weltweit steigenden Nachfrage deutlich mehr produzieren. Sorge bereitet der Branche der Wirtschaftsvereinigung Stahl zufolge aber eine Preisexplosion bei den Rohstoffen. Den Unternehmen um die Branchenführer ThyssenKrupp und Salzgitter drohten deshalb zusätzliche Belastungen in Milliardenhöhe. Nach einem jahrelangen Boom wurde die von ArcelorMittal angeführte Schwerindustrie von der Wirtschaftskrise hart getroffen. Die Flaute bei wichtigen Kunden aus der Autoindustrie und dem Maschinenbau ließ die Nachfrage einbrechen. 2009 wurden in Deutschland nur 32,7 Millionen Tonnen Stahl produziert – so wenig wie seit 1963 nicht mehr. Seit einigen Monaten geht es aber wieder aufwärts. Die Auftragssituation und die Kapazitätsauslastung hätten sich verbessert, betonte am Mittwoch der Präsident der Wirtschaftsvereinigung, Jürgen Kerkhoff. Nur noch rund 5000 Menschen befänden sich in der Brache in Kurzarbeit – und die Zahl werde im Jahresverlauf weiter sinken. In den Entwicklungs- und Schwellenländern steige die Nachfrage, allen voran China und Indien. Die Rohstahlproduktion in der Bundesrepublik werde deshalb im laufenden Jahr um mindestens zehn Prozent zulegen. Preise für Eisenerz haben sich mehr als verdoppelt Insgesamt sei der Ausblick aufs Jahr aber nur „verhalten optimistisch“, denn 2010 seien „erhebliche Preissteigerungen“ bei den Rohstoffen wie Eisenerz zu befürchten. Die Spotmarktpreise für Eisenerz hätten sich seit April 2009 mehr als verdoppelt. Sorge bereitet Kerkhoff zudem das geplante Eisenerz-Gemeinschaftsunternehmen der australischen Bergbauriesen Rio Tinto und BHP Billiton. Die Unternehmen wollen ihre Eisenerzproduktion im Westen Australiens in einem Joint Venture bündeln, das ein Volumen von 116 Milliarden Dollar hätte. Der Verband hat wegen der wachsenden Marktmacht der Konzerne bei den Kartellbehörden interveniert. Untersucht werden die Fusionspläne unter anderem von der EU-Kommission und dem Bundeskartellamt, das bereits eine vertiefte Prüfung eingeleitet hat – ein klares Zeichen für Bedenken. Google Anzeigen Neue Krankenversicherung? Jetzt die Günstigste finden – Wir haben die Testsieger im Vergleich! INOVEXX.de/Krankenversicherungen Von steigenden Preisen geht auch der zuletzt von der Krise gebeutelte Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co aus. Dank der Geschäftsbelebung rechnet der Konzern aber wieder mit schwarzen Zahlen. „Wir gehen von einem Gewinn in 2010 aus“, sagte KlöCo-Chef Gisbert Rühl der Nachrichtenagentur Reuters. Beim Umsatz sagte Rühl ein Plus von über 20 Prozent voraus, über zehn Prozent daraus sollen aus Zukäufen resultieren. Für Übernahmen sieht der KlöCo-Chef ausreichend finanziellen Spielraum: „Wir sind mittlerweile schuldenfrei.“ Zudem habe der Konzern „Zugang zu vielen Finanzierungsmöglichkeiten“. Rühl will vor allem Übernahmeziele in den USA ins Visier nehmen. Zukäufe könnten eine Größenordnung von bis zu 500 Millionen Euro haben, erklärte er. Aber auch kleiner Akquisitionen kämen infrage, um das Geschäft in einzelnen Ländern abzurunden.

Quelle : Focus.de, Moduloc

Missbrauch im Kloster Ettal


Pater stellte Fotos halbnackter Schüler ins Web

Sonderermittler Thomas Pfister soll die zahlreichen Missbrauchsfälle an der Klosterschule Ettal aufdecken. Sein Zwischenbericht offenbart brutale Gewalt und sexuelle Übergriffe, denen Schüler über Jahrzehnte ausgesetzt waren. Die Rede ist von einer Liste „voller Grausamkeiten“.

Ettal – Thomas Pfister sprach 45 Minuten lang, zitierte aus E-Mails, Briefen und Gesprächen mit rund hundert Betroffenen, die sich in den vergangenen Tagen an ihn gewandt und von ihrer Zeit im bayerischen Benediktinerkloster Ettal berichtet haben. Es waren Zeugnisse des Grauens, die der Sonderermittler bei einer Pressekonferenz am Freitag vortrug – dabei präsentierte der Jurist nur eine Auswahl der ihm zugetragenen Vorfälle. Das Fazit: Das Ausmaß der Gewalt, das Schüler des Klosters in vergangenen Jahrzehnten erleiden mussten, ist offenbar weit größer als bislang angenommen.// Die erschütternden Vorgänge seien zwar verjährt, schloss der Rechtsanwalt. Wenn sie aber von weltlichen Gerichten verhandelt worden wären, hätten sie wahrscheinlich zu jahrelangen Haftstrafen geführt. Eine „systematisch praktizierte Kultur des Wegschauens und Verschweigens“ im Kloster habe den Tätern ihr Treiben erleichtert. Er werde „Tag und Nacht“ von ehemaligen Schülern kontaktiert, sagte Pfister. Zudem berichtete er von einem aktuellen Fall, in dem ein Klostermitglied gestand, Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen und in den Jahren 2000 und 2001 Fotos halbnackter Schüler auf Homosexuellen-Plattformen ins Web gestellt zu haben. Die Bilder waren bei einem Wanderurlaub entstanden, die abgebildeten Jungen waren mit nacktem Oberkörper fotografiert worden. Dies sei der Hintergrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Kloster in dieser Woche gewesen. Bei der Razzia wurde der Rechner des Mannes beschlagnahmt. Pfisters Schilderungen zufolge gab es zudem auch Ende 2009 noch Fälle, in denen zwei Schüler der fünften Klasse körperlich von einem Pater gezüchtigt wurden.

Prügelstrafen waren an der Tagesordnung

Ohne „eine falsche Solidarität“ seien die Taten nicht möglich gewesen, sagte Pfister. Mit anderen Worten: Zwar wurden die Missbrauchshandlungen offenbar nur von wenigen Mönchen begangen. Diese schikanierten und quälten jedoch zahlreiche Opfer über Jahrzehnte – ohne dass die Leitung des Kloster dagegen vorgegangen wäre. Viele der früheren Schüler, die sich gemeldet haben, wiesen ausdrücklich darauf hin, dass der Leitung das Treiben der Pater nicht verborgen geblieben sein könne – zumal viele der Züchtigungen nicht im Geheimen stattfanden. Prügelstrafen waren an der Tagesordnung. Alle wussten davon. Keiner konnte davon nichts mitbekommen haben“, schrieb einer der Betroffenen dem Sonderermittler. Die Handlungen seien möglich gewesen, da „keine reale Aufklärungsgefahr“ bestanden habe. Mit anderen Worten: Weil Verantwortliche den Missbrauch über Jahre geschehen ließen. Ein Pater habe Dutzende Kinder nacheinander geschlagen, der Ermittler sprach in diesem Zusammenhang von „Massenschlägen“. „Es herrschte der absolute Terror“, schrieb einer der früheren Schüler.

Ein Bericht „voller Grausamkeiten“

Die heute erwachsenen Männer schilderten viele der Patres als Sadisten, die große Freude daran hätten, die Jungen zu demütigen. So soll einer der Mönche die Jungen genötigt haben, Päckchen der Eltern nur in seiner Gegenwart zu öffnen – um die besten Geschenke für sich beanspruchen zu können. Ein heute erwachsener Mann bezeichnete die Zeit im Kloster als „schlimmste Zeit meines Lebens“. Auch in den achtziger Jahren sollen die Schüler mit großer Brutalität misshandelt worden sein. Ehemalige berichten von Kopfnüssen, Schlägen mit der flachen Hand, Reißen an den Haaren. „Ich selbst kann gar nicht erzählen, wie oft ich geschlagen worden bin“, schrieb einer der heute erwachsenen Männer. Anfang der achtziger Jahre soll ein Schüler sich umgebracht haben, indem er Lösungsmittel trank – inwieweit dies eine Konsequenz der Umstände war, lasse sich heute nicht mehr rekonstruieren, so Pfister. Der Ermittler bezeichnete seinen Bericht als „zehn Seiten voller Grausamkeiten“. Er sprach von „unterlassener Hilfeleistung“, die dazu führte, dass einige Patres über Jahre walten und Kinder missbrauchen konnten. „Man ließ die Männer in direkter Nähe zu den Kindern gewähren.“ Einer der beschuldigten Mönche, Pater Magnus, der 2009 verstorben ist, schilderte vor seinem Tod in einem „Bekenntnis“, wie sich der von ihm begangene Missbrauch aus seiner Sicht darstellte: Demnach suchten die Jungen allnächtlich seine Nähe, wollten „gestreichelt“ werden. Ein früherer Schüler, der heute als Arzt arbeitet, kommentierte in einem Schreiben an Pfister: „Die Neigung des Paters war ein offenes Geheimnis. Es ist schwer vorstellbar, dass die Leitung, die sonst äußerst aufmerksam war, dies nicht mitbekommen haben soll.

Quelle : Spiegel Online