Vor dem Auftakt Streit der Ingenieure in der Formel 1


Vor jeder Saison zieht die Formel 1 ein gehöriges Potenzial ihrer Spannung aus Regeländerungen. Das ist in diesem Jahr nicht anders. Die Spezialisten von Red Bull und die Ferrari-Experten misstrauen dem neuen McLaren. Für den vergrößerten Tank haben die Ingenieure unterschiedliche Lösungen gefunden.

Tankverbot

Die Erfahrungen mit dem Diffusor haben ihre Wirkung hinterlassen. Dass Ross Brawn seine Renner vorige Saison mit einem so schlitzohrig ausgetüftelten Bauteil ausstattete, dass Jenson Button schon in den ersten Rennen seinen Weltmeistertitel sichern konnte, hat die Sensibilität der Konkurrenz nachhaltig erhöht. „Der Diffusor hat uns im vorigen Jahr viel Zeit und Aufmerksamkeit gekostet und womöglich gar den Titel“, klagt Christian Horner, der Teamchef des Weltmeisterschaftszweiten Sebastian Vettel bei Red Bull: „Die Regel wurde eindeutiger formuliert, und man sieht jetzt einige sehr aggressive Interpretationen der Regel. Vor jeder Saison zieht die Formel 1 ein gehöriges Potenzial ihrer Spannung aus Regeländerungen. Weil alle Autos Prototypen sind, müssen sich die Heerscharen hoch bezahlter Ingenieure für jede neue Vorschrift die optimale technische Antwort überlegen. Und von einem Coup wie dem des inzwischen für das Mercedes-Team um Michael Schumacher tüftelnden Briten Brawn im vorigen Jahr träumt jeder Rennstall. „Die Regeländerungen 2010 verändern die Formel 1 aber weitaus geringer als jene vor der vorigen Saison“, sagt Brawn. Dennoch tobt bereits der erste Streit: Der Red-Bull-Mann Horner und die Ferrari-Spezialisten beäugen mit größter Skepsis den MP4-25 von McLaren: Dass dessen Heckflügel einen schmalen Schlitz hat, fürchten die Experten vor allem auf Hochgeschwindigkeitsabschnitten als unzulässigen Wettbewerbsvorteil. Also rückte am Donnerstag der technische Delegierte des Motorsport-Weltverbandes Fia, Charlie Whiting, zur Begutachtung an, obwohl er angeblich vorher schon sein Okay erteilt haben soll, wie McLarens Teamchef Martin Whitmarsh dem „Daily Telegraph“ berichtete: „Der Flügel ist vielleicht etwas anders, er ist innovativ, aber uns wurde versichert, dass er den Regeln entspricht. Bei der Begutachtung der neuen Flitzer fällt jedoch zunächst einmal eine andere Innovation auf: Weil zum Saisonstart am Sonntag in Bahrain nach 16 Jahren wieder das Verbot des Nachtankens eingeführt wird, sind die Autos deutlich länger als zuletzt. Sie müssen nun einem Tank Platz bieten, der zum Rennstart jene mindestens 230 Liter Benzin unterbringt, die für die ganze Distanz gebraucht werden. Allerdings haben die Ingenieure unterschiedliche Lösungen gefunden: Die McLaren oder Ferrari wirken länger als die Mercedes, Renault oder Williams. „Es ist interessant“, staunt der Weltmeister Jenson Button, „dass die Leute unterschiedliche Wagenlängen probieren. Schon in der Vorbereitung waren an den 15 Testtagen daher stetig Spielereien mit der Spritmenge zu beobachten, weil die Teams Erkenntnisse über das Verhalten des Autos sammeln wollten. Mal blieb daher auch immer wieder ein Star auf der Teststrecke stehen, da er den Tank absichtlich leer gefahren hatte. Auch die Rundenzeiten waren nur schwer zu vergleichen. Die Fia hat auch die Regel abgeschafft, nach der bisher das Gewicht der Autos beim Start bekannt gegeben wurde, sodass Schlüsse zur Sprit- und Tankstrategie der Rennställe möglich wurden. Daher lässt sich für die Fans kaum erkennen, welche Motoren besonders benzinsparend arbeiten, sodass die betreffenden Teams weniger Sprit und damit Last an den Start bringen müssen. So gilt etwa das Renault-Aggregat von Vettels Red Bull als sehr sparsam – allerdings im Vorjahr auch als eher unzuverlässig. Dafür lassen sich Rückschlüsse aus der Qualifikation ziehen: Da strategische Tankerwägungen künftig dort keine Rolle mehr spielen, werden alle mit minimaler Benzinmenge an den Start gehen. Das bedeutet: Der beste Fahrer im schnellsten Auto sichert sich die Poleposition. Weil das Nachtanken entfällt, wird es in dieser Saison wesentlich mehr auf größtmögliche Effizienz beim Reifenwechsel ankommen. Die Rennställe werden das ordentlich trainiert haben, sodass mit Spannung erwartet wird, ob sich in Bahrain alle vier Reifen in fünf Sekunden oder gar vier oder drei wechseln lassen. Durch das erheblich höhere Gewicht zum Rennbeginn wirken größere Kräfte auf die Reifen: Statt 60 bis 75 Kilogramm Benzingewicht drücken nun eher 170 Kilogramm von oben auf die Einheitsreifen von Bridgestone. Um eine Haftungsangleichung zwischen Vorder- und Hinterreifen zu erreichen, wurde das Frontpaar zudem um 20 Millimeter schmaler ausgelegt. „Der Schlüssel liegt darin, den Reifen zu verstehen“, sagt Red Bulls’ Horner. Für den Fahrer verkompliziert sich damit die Steuerung des Wagens. Zudem verändert sich das Verhalten des Autos vom Start zum Ziel extrem, da es zum Schluss 170 Kilogramm weniger wiegt. „Natürlich ist es immer schwierig, von den Testergebnissen auf die wahre Performance zu schließen – und das gilt dieses Jahr noch mehr als sonst –, aber der letzte Test in Barcelona hat uns gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sein sollten“, sagt Rekordweltmeister Michael Schumacher, „wir wissen, dass wir in Bahrain noch einige neue Teile am Auto haben werden, die uns voranbringen sollten. Die Trickserei setzt sich bis zum ersten Rennen fort, weil niemand sich in die Karten gucken lassen will. Nur so lässt sich erkennen, dass Schumachers Teamfreund Brawn wesentlich zurückhaltender klingt: „Wir hatten ein starkes Testprogramm mit dem MGP W01 vor der Saison“, sagt Brawn, „aber wir haben nicht wirklich das Vorbereitungsniveau erreicht, dass wir vor Bahrain gern hätten. Der Weltverband Fia müht sich derweil, den Wettbewerb um Grand-Prix-Siege und damit die Rasanz der Rennen zu fördern: Bekam der Sieger zuletzt nur zwei Punkte mehr als der Zweite, so erhält der Erstplatzierte künftig für seinen Triumph 25 Punkte, der Zweite 18 Zähler. Größeres Risiko bei Überholmanövern soll sich mehr auszahlen. Und Spektakel liefern.

Quelle: Welt.de

Oscar 2010, das „Über-Bingo“ für Christoph Waltz


Ein Film über eine Einheit von US-Bombenentschärfern im Irak ist der große Gewinner der diesjährigen Oscar-Gala. Das spannungsgeladene Filmdrama „The Hurt Locker“ von Regisseurin Kathryn Bigelow gewann in der Nacht zu Montag sechs Oscars, unter ihnen den besonders begehrten Preis für den besten Film. Der Österreicher Christoph Waltz erhielt eine Trophäe für seine Rolle als SS-Mann in „Inglourious Basterds“.

Witzige Gastgeber: Steve Martin und Alec Baldwin lieferten bei den Oscars 2010 eine tolle Show ab.

Mit „The Hurt Locker“ (deutscher Titel: „Tödliches Kommando“) setzte sich ein ungewöhnlicher Siegerfilm durch: Unter den Darstellern sind keine Stars, der Film wurde mit einem geringen Budget von elf Millionen Dollar gedreht, an den Kinokassen war er kein großer Erfolg. Bigelow war in mehr als 80 Jahren Oscar-Geschichte die erste Frau, die den Preis für die beste Regie gewann. „Das ist der Moment meines Lebens“, sagte sie. Sie widmete die Auszeichnung „unseren Frauen und Männern im Militär, die ihr Leben jeden Tag aufs Spiel setzen“. Als bester Hauptdarsteller wurde der 60-jährige Jeff Bridges für seine Darstellung eines alternden Country-Sängers in dem Film „Crazy Heart“ ausgezeichnet. Bridges war 1971 erstmals für einen Oscar nominiert worden, hatte ihn aber nie gewonnen. Als beste weibliche Hauptdarstellerin wurde Sandra Bullock für die Darstellung einer Mutter in dem Kassenschlager „The Blind Side“ geehrt. Die 45-Jährige spielte in ihrer Dankesansprache darauf an, dass auch sie lange auf die Auszeichnung warten musste: „Habe ich den Preis wirklich verdient, oder habe ich Euch einfach nur lange genug zermürbt? Der Oscar für die beste weibliche Nebenrolle ging an die US-Schauspielerin Mo’Nique für ihre Rolle als gewalttätige Mutter in dem Sozialdrama „Precious“. Als bester Nebendarsteller wurde der Österreicher Waltz ausgezeichnet, der damit nach einem Preis in Cannes und einem Golden Globe seine Siegesserie fortsetzte. In Quentin Tarantinos Nazi-Satire „Inglourious Basterds“ spielt er den sadistischen SS-Mann Hans Landa.

In seiner Dankesrede zeigte sich der erstmals für einen Oscar nominierte Österreicher tief gerührt: „Dies ist ein Über-Bingo. Ich kann ihnen dafür gar nicht genug danken“, sagte er. Hollywood habe ihn „mit einer Umarmung willkommen geheißen“. Waltz ist der erste deutschsprachige Gewinner eines Schauspiel-Oscars seit 1961, als sein Landsmann Maximilian Schell den Preis erhielt. Nicht erfüllt haben sich die Hoffnungen auf eine Auszeichnung für den deutschen Wettbewerbsbeitrag „Das Weiße Band“. Die Auszeichnung in der Kategorie „bester nicht-englischsprachiger Film“ ging an den argentinischen Film „El Secreto de Sus Ojos“ (Das Geheimnis in ihren Augen) von Regisseur Juan José Campanella. Der Schwarzweiß-Film „Das Weiße Band“, der unter der Regie des Österreichers Michael Haneke entstand, war auch in der Kategorie „beste Kamera“ nominiert, diesen Preis gewann allerdings der Film „Avatar“. Das Science-Fiction-Epos „Avatar“ ging als großer Verlierer aus der Preisgala hervor. Der Film war – ebenso wie „The Hurt Locker“ – für neun Oscars nominiert, gewann aber nur drei Preise in weniger bedeutenden Kategorien. Anders als der Siegerfilm war „Avatar“ allerdings ein großer kommerzieller Erfolg, er spielte weltweit mehr als 2,5 Milliarden Dollar an und ist damit der lukrativste Film in der Geschichte des Kinos. „Avatar“-Regisseur James Cameron ist der Ex-Mann von Kathryn Bigelow („The Hurt Locker“). Auf der Gala begrüßten sich die beiden mit einer herzlichen Umarmung. Der Oscar für den besten Trickfilm ging an den Streifen „Up“, der auch in der Königskategorie „bester Film des Jahres“ nominiert war. Damit gewann zum dritten Mal in Folge eine Produktion der Disney-Pixar-Studios den Zeichentrick-Oscar. Die Trophäe für den besten Film-Song ging an die Country-Musiker Ryan Bingham und T Bone Burnett für ihr Titellied „The Weary Kind“ aus „Crazy Heart“. Als bester Dokumentarfilm wurde die US-Produktion „The Cove“ ausgezeichnet, in der es um Delfinfang in Japan geht.
Quelle: Welt.de

Farmville will die Facebook-Gemeinde spaltet


Geniales Spiel oder nervtötender Schrott? Wer bei Facebook registriert ist, hat garantiert schon einmal eine Einladung für „Farmville“ erhalten. Dort werden Mitspieler über Freundeslisten generiert. Ein agressiver Ansatz – der heftige Kritik auslöst. Computer Bild zeigt, was Sie über das Gratis-Spiel wissen sollten.

Vor dem Spiel „Farmville“ gibt es bei Facebook kaum ein Entkommen. Einsteiger suchen für ihren Bauernhof meist eine Mischung aus Ertrag und Ästhetik. Es gibt kaum ein anderes Spiel, das in so kurzer Zeit so erfolgreich wurde: Obwohl die US-amerikanischen Browser-Game-Entwickler Zynga „Farmville“ erst Mitte 2009 veröffentlichten, vergnügen sich heute (Stand: Februar 2010) etwa 30 Millionen Menschen täglich mit der simplen Bauernhof-Simulation. Pro Monat zählt „Farmville“ sogar 80 Millionen verschiedene Spieler – das sind ein Fünftel aller registrierten Facebook-Mitglieder! Die Nutzer des weltweit größten sozialen Netzwerks im Internet sind auch die einzigen, die in den Genuss von „Farmville“ kommen. Denn bei dem Spiel handelt es sich um eine sogenannte Facebook-Applikation, die auf Funktionen und Daten der Website zugreift. Zwar versucht Hersteller Zynga, das Spiel vermehrt außerhalb von http://www.facebook.com anzubieten, zum Beispiel auf http://www.farmville.com oder im Spielebereich von MSN, eine Registrierung bei Facebook ist aber immer noch Voraussetzung, um die „Farmville“-Felder zu bestellen.

Bauer sucht Nachbarn

Farmville definiert sich als sogenanntes Social Game. Ihre Mitspieler sind ein elementarer Faktor für Erfolg und Spaß – wer seine Facebook-Freunde zu Nachbarn macht, besucht deren Farmen, empfängt und verschickt regelmäßig Geschenke und erhöht seine Nutzfläche. Beispielsweise vergrößern Sie erst mit acht Nachbarn die zunächst 12×12 Felder große Farm auf 14×14 Felder. Am einfachsten laden Sie Freunde in die Nachbarschaft ein, indem Sie in die Textleiste über dem Spielfenster „My Neighbors“ klicken. Hier finden Sie eine Übersicht, welche Freunde bereits „Farmville“ spielen und damit nur einen Mausklick von der Nachbarschaft entfernt sind. Trotz der Interaktion mit Ihren Kontakten ist der virtuelle Arbeitsalltag optisch eine einsame Angelegenheit: Auf Ihrer Farm sehen Sie niemanden – außer Ihrem Avatar. Der riesige Erfolg von „Farmville“ kommt nicht von ungefähr: Die Applikation nutzt die Facebook-Freundeslisten, um neue Mitspieler zu generieren. Und das geschieht so geschickt und penetrant, dass der Entwickler Zynga schon reichlich Kritik dafür einstecken musste – häufig handeln sich „Farmville“-Nutzer unbewusst einen schlechten Ruf als Spammer ein, weil sie jede Nachricht des Spiels an ihr gesamtes Netzwerk schicken. Der Trick von „Farmville“: Die Spiel-Meldungen (zum Beispiel über einen Levelaufstieg oder das Erreichen eines Erfolgs) müssen Spieler durch Druck auf einen grünen („Share“) oder roten („Cancel“) Knopf wegklicken. Im Gegensatz zu anderen Programmen heißt „Cancel“ hier aber nur, dass man diese Mitteilung nicht an die große Glocke hängen will – „Share“ hingegen veröffentlicht die Meldung.

Gefahren bei Facebook

1. Seien Sie vorsichtig mit der Angabe persönlicher Informationen. Firmen verschaffen sich bei Facebook Informationen über Bewerber.

2. Über Facebook verbreiten sich Viren und Schadprogramme. Klicken Sie nicht auf Links, die von Ihnen unbekannten Mitgliedern stammen. Ignorieren Sie E-Mails, die Sie nach Ihren Anmeldedaten fragen.

3. Facebook-Anwendungen, wie Spiele, verursachen häufig Kosten. Zudem müssen Sie in der Regel Ihr Profil freigeben. So erhält der Anbieter von Ihnen und Ihren Freunden Daten, die er dann zu Werbezwecken nutzt.

Manchmal ist es sinnvoll, „Farmville“-Nachrichten öffentlich zu machen: Ab und zu verirren sich Tiere auf die Farm, die Sie zur Adoption freigeben können, oder Sie teilen mit Ihren Freunden ein „Mystery Egg“, aus dem allerlei hübsche Überraschungen schlüpfen. Wichtig also: Klicken Sie nicht automatisch auf den grünen Knopf, sondern lesen Sie immer erst die Meldung durch. Die Wahl des roten Knopfs ist nie von Nachteil für Ihre Farm!

Kostenloser Spaß

Farmville ist ein typisches „Free2Play“-Browserspiel: Prinzipiell spielen Sie so lange, wie Sie wollen, ohne dafür zu bezahlen. Wie bei vielen anderen Spielen existiert auch eine Spielwährung, die Sie für reales Geld (mittels Kreditkarte oder PayPal) erstehen, um sich besondere – beziehungsweise besonders teure – virtuelle Gegenstände zu leisten. In „Farmville“ gibt es zwei Währungen: „Farm Coins“ (Münzen) und „Farm Cash“ (Dollarscheine). Viele Dinge wie Saaten, Bäume, Tiere, Gebäude und Deko-Artikel bezahlen Sie in Münzen, für etliche Spezial-Gegenstände verlangt der Hersteller ordentlich Scheine. Während Sie Farm Coins relativ einfach durch Ackerbau und Viehzucht anhäufen, ist Farm Cash rar: Als Startkapital liegen fünf Scheine auf dem Konto und für jede erreichte Erfahrungsstufe erhalten Sie einen weiteren – andere Cash-Verdienstmöglichkeiten existieren nicht.

Erste Schritte, erste Hilfe

Das Schöne an der Facebook-Landwirtschaft: Sie ackern ohne drohendes Game Over oder zwingende Spielziele vor sich hin. Jeder beschäftigt sich mit „Farmville“, wie er will. Manche optimieren ihre Farm, um möglichst viel Geld und Erfahrung in kürzester Zeit zu erspielen. Andere erschaffen eine ländliche Idylle aus Obstbäumen, Gartenteich und ein paar Tieren, wieder andere genießen es, Geschenke zu versenden und den Nachbarn zu helfen. Welchen Spielstil Sie auch immer für sich entdecken.

Quelle: Welt.de

Mit Schumacher wieder eine extrem spannende Saison


Michael Schumacher hat sein Comeback in der Formel 1 akribisch vorbereitet. Seine Rückkehr ist ein Grund, warum die Bosse den Saisonstart kaum erwarten können: Denn nie zuvor schien die Titeljagd ähnlich spannend und umkämpft zu sein wie dieses Jahr. Dafür sorgen mindestens vier konkurrenzfähige Rennställe.

Michael Schumacher reist erst am Mittwoch nach Bahrain

Die wichtigste neue Strategie liegt im Rückzug. Schon immer wäre Michael Schumacher am liebsten nur Rennen gefahren. Ohne den ganzen Schnickschnack, den ein Formel-1-Weltmeister noch auf sich nehmen muss. Doch trotz des Ruhmes und der Ausnahmestellung ließ sich im ersten Teil der Karriere nicht der ganze Anspruch auf Rasen und sonst Ruhe durchsetzen. Schließlich vergütete ihn Ferrari in Spitzenzeiten mit etwa 30 Millionen Euro pro Jahr, und RTL spendierte für die Übertragungsrechte jährlich 80 Millionen Euro. Wenn Schumacher nun am Sonntag in Bahrain seine Rückkehr im Starterfeld gibt, gelten neue Gesetze. In den drei Jahren Pause hat der Star im kurzzeitigen Ruhestand nicht nur sein Umfeld neu sortiert und seinen langjährigen Manager Willi Weber degradiert. Mit dem sicheren Gespür dafür, dass er in einer unter der Rezession leidenden Automobil-Weltmeisterschaft Formel 1 für den Konzern Mercedes wichtiger ist als umgekehrt, hat Schumacher die Bedingungen für das PR-trächtige Engagement diktiert. Dafür hat er in Kauf genommen, dass sein Salär nur auf sieben Millionen Euro jährlich veranschlagt wird, was Mercedes in Krisenzeiten hilft, den gegen das Luxusengagement in der Königsklasse Sturm laufenden Betriebsrat in Schach zu halten. In der neuen Ära darf Schumacher sich rar machen und Rennen fahren. Während sein Kollege bereits an diesem Montag zur Akklimatisierung nach Bahrain aufbricht, folgt Schumacher ihm im Privatjet erst am späten Mittwochvormittag, um gerade pünktlich genug für die ersten Pflichttermine in Bahrain am Donnerstag im Fünfsternehotel „Ritz Carlton“ Quartier zu beziehen. Schon bei den Testfahrten hat er nur auf ein Minimum an öffentlichen Auftritten zugelassen, jeweils kaum fünf Minuten, fast nur für Fragen von RTL. Nicht einmal zum Saisonstart gewährte er ein großes Interview. Als ich aus der Formel 1 ausstieg, war ein Grund auch die ständige Erwartungshaltung von Öffentlichkeit, Presse und Sponsoren“, sagte Schumacher dem „Manager Magazin“, „entscheidend war deshalb, dass ich in der neuen Konstellation nicht zu viele PR-Termine absolvieren muss.

Für den Rest der Branche gilt: Je mehr die Quoten weltweit in den Keller gerauscht sind in den vergangenen Jahren, desto mehr müssen die Piloten trommeln. „Die Zahl dieser Tage wird standardmäßig im Vertrag festgelegt, und sie hat sich im Verhältnis zu früher drastisch erhöht“, sagt Schumacher: „Vor allem für die jungen Fahrer.“ Allerdings sehen die Formel-1-Bosse der neuen Saison freudig erregt entgegen. Nie zuvor schien die Titeljagd ähnlich spannend und umkämpft zu sein, wie in den kommenden Monaten. Dafür sorgen mindestens vier konkurrenzfähige Rennställe: McLaren, Ferrari, Red Bull und Mercedes. Prompt fürchtet die Branche schon vor der Saison eine Gefahren herauf beschwörende Dreiklassengesellschaft: Die allzu langsamen Autos der neuen Teams wie Lotus und Virgin drohen für die Favoriten zu riskanten Hindernissen zu geraten. „Ich hoffe, sie werden nicht zur Gefahr“, sagte Ferraris Felipe Massa der „Corriere della Sera“, „sechs, sieben Teams liegen eine Sekunde auseinander, während die Rennställe vier Sekunden langsamer sind. Das ist nicht gut für den Sport und nicht gut für sie. Sie leiden. Und wir leiden auch, wenn wir sie beim Qualifying vor uns haben. Auch der Wettbewerb von vier Weltmeistern von Ferraris Fernando Alonso bis zu McLarens Jenson Button plus dem talentierten WM-Zweiten des Vorjahres, Sebastian Vettel im Red Bull, garantiert Spektakel. Und: „Schumachers Comeback verspricht der Formel 1 einen unglaublichen Turnaround in der weltweiten Beachtung: Wir gehen davon aus, dass die Quotenrückgänge durch Schumachers Comeback in dieser Saison zumindest aufgefangen werden, und das Plus möglicherweise gar noch höher ausfällt als die Verluste zuvor“, sagt Marcel Cordes, Vorstandschef des Kölner Forschungsinstituts „Sport + Markt“, „für das erste Rennen in Bahrain jedenfalls rechnen wir mit einer gigantischen Quote, weil die Rückkehr eines siebenmaligen Weltmeisters wie Schumacher das größte Sportcomeback aller Zeiten darstellt.

Leistungsfähigkeit ist schwer einzuschätzen

Dabei lassen sich über die wirkliche Leistungsfähigkeit der neuen Autos noch keine zuverlässigen Aussagen treffen. Zu geheim blieb beim Testen der insbesondere durch das Nachtankverbot veränderten Autos das Gewicht durch die Menge des mitgeführten Benzins. Ernsthafte Vergleiche liefert also erst der Saisonstart. „Ich glaube, dass wir nächstes Wochenende in Bahrain unter den Topteams sein können. Natürlich ist es immer schwierig, von den Testergebnissen auf die wahre Performance zu schließen – das gilt dieses Jahr noch mehr als sonst –, aber der letzte Test in Barcelona hat uns gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sein sollten“, sagt Schumacher, „wir wissen, dass wir in Bahrain noch einige neue Teile am Auto haben werden, die uns voran bringen sollten. Es ist wichtig, gleich von Anfang der Saison an vorn dabei zu sein. Ich bin zuversichtlich, dass wir das sein werden. Trotz seines Alters von 41 Jahren und dem Intermezzo als Privatier hat Schumacher sich den Respekt der Konkurrenz schon wieder gesichert. „Michael ist so stark, wie er einmal war“, sagte der englische Titelverteidiger Button (30), der durch seinen Wechsel zu McLaren das Cockpit bei Mercedes erst für Schumacher frei gemacht hatte, WELT ONLINE: „Michael Schumacher wird allen Spekulationen zum Trotz sehr schnell sein.

Quelle: Welt.de