Mercedes setzt auf Schumacher


Die Kunst des Machbaren

Ein Brawn, aber vielleicht auch mehr. Der MGP-W01 basiert auf dem Vorjahresauto, wurde aber kräftig weiterentwickelt.

Die Schlagzeile in diesem Winter gehörten Mercedes: Ein neues Team und die Rückkehr von Michael Schumacher – da konnte niemand mithalten. Aber der siebenfache Champion und Mercedes stehen damit auch gehörig unter Druck.

Für Norbert Haug war letztes Jahr zweimal Weihnachten. Als er am 23. Dezember die Verpflichtung von Michael Schumacher als neuen Piloten für den frisch aus der Taufe gehobenen Mercedes-Rennstall bekannt geben durfte, war ihm die Freude deutlich anzusehen. Dabei war es schon sein zweiter Coup nach dem Ende einer enttäuschenden Saison. Die wahrscheinlich größere Überraschung war das Zusammengehen mit Brawn GP und die Gründung eines eigenen Mercedes-Rennstalls, fast 55 Jahre nach dem Ausstieg aus der Formel 1. Dabei hat der ehemalige Rallyefahrer Haug gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Er ist den schwierigen Partner McLaren losgeworden, unter dessen Dach sich Mercedes nie wirklich entfalten konnte, und er hat mit Brawn den wohl besten Strategen der Königsklasse an Bord geholt. Besser geht es kaum. Doch das Ganze hat auch seine Kehrseiten. Ein Weltmeisterauto und ein siebenfacher Champion im Cockpit steigern die Erwartungshaltung fast ins Unermessliche. Erschwerend kommt hinzu, dass das Engagement in der Mercedes-Belegschaft zunehmend kritisch gesehen wird. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen in der Produktion gekürzt wird, ist der Verbleib in der Königsklasse nicht unumstritten.

Dem kann der neue Rennstall Mercedes GP nur mit Erfolgen begegnen. Die erwarten schließlich alle. Sollten die Unschlagbaren hinterherfahren, dann dürfte es schnell Negativschlagzeilen hageln. Zumal der Abstand zwischen Siegern und Verlierern in diesem Jahr so knapp wie noch nie werden dürfte. Bei den letzten Tests in Spanien Ende Februar lagen sieben Teams innerhalb einer halben Sekunde. Selbst für die Formel 1 nur ein Wimpernschlag.

Einer steht im Schatten: Nico Rosberg (l.) hat es erst mal schwer neben Rekordchampion Michael Schumacher. Aber erkann sich 

Wer fährt?

Er ist da und er ist fit. Das hat Michael Schumacher bei den Tests in Spanien eindrucksvoll demonstriert. Und genau das wollte Schumacher auch. Die Startnummer Drei hat er sich vom Teamkollegen abgeholt – wahrscheinlich ein Zeichen, wer bei Mercedes das Sagen hat. Schumacher hat den großen Vorteil, dass er zusammen mit Teamchef Brawn ein eingespieltes Team bildet. Auch Buttons Renningenieur vom vergangenen Jahr, Andrew Shovlin, hat er bekommen.Und er scheint noch detailversessener als früher. Gleich mehrmals besuchte er die Fabrik in Brackley, lernte die Techniker und Ingenieure kennen und ließ sich mit der Produktion des Autos vertraut machen. Michael Schumacher überstrahlt alles bei Mercedes. Fürs erste auch den Teamkollegen Nico Rosberg. Wahrscheinlich dürfte ihm bei den Tests im Februar zum ersten Mal bewusst geworden sein, wie sehr sich die mediale Aufmerksamkeit auf Schumacher konzentriert. Anfänglich hat ihn das sichtbar irritiert, doch es könnte für Rosberg auch eine Chance sein. Das Material wird zunächst dasselbe sein, also kann sich der Wiesbadener mit guten Rundezeiten und Qualifyings doch noch ins Zentrum der Aufmerksamkeit schieben. Darin hat er Übung, ist es ihm das doch in der vergangenen Saison mit dem unterlegenen Williams gleich mehrmals gelungen.

Wer führt?

Wenn es einen großen Feldherrn im Formel-1-Zirkus gibt, dann ist das wohl unbestritten Ross Brawn. Er ist nicht nur Stratege und Technik-Guru. Er ist vielmehr das Hirn des Teams, die Zentrale. Allerdings wird ihm ein Husarenstück wie im vergangenen Jahr, als er mit den von Honda übernommenen Resten eines Rennstalls und ohne viel Geld das mit Abstand schnellste Auto auf die Räder stellte, nicht mehr gelingen. Allerdings hat Brawn mit Schumacher sein bestes Pferd wieder im Stall. Niemand konnte bisher in der Formel 1 ein Auto so schnell weiterbringen wie die beiden. Der vollen Unterstützung von Mercedes können sich die Piloten und Brawn sicher sein. Für Mercedes-Sportchef Norbet Haug hängt viel vom Erfolg des Teams ab. Das Engagement soll nicht nur ein Marketingcoup werden. Ein Rennstall mit drei deutschen Fahrern,  Nick Heidfeld testet für das Team – das könnte das Meisterstück für Haug werden. Wenn sich denn auch der Erfolg einstellt.

Was war?

Für Mercedes ist das Ziel nichts weniger als die Titelverteidigung. Schließlich ist der Konstrukteurstitel noch im Hause zu finden, auch wenn Fahrer-Weltmeister Button von dannen gezogen ist. Die Fahrerpaarung scheint dafür durchaus geeignet, denn beide Piloten sind schnell, erfahren und können Punkte sammeln. Als brandneues Team kann Mercedes natürlich nur auf die große Vergangenheit in den fünfziger Jahren zurückblicken. Die ist aber gewaltig. Schon damals übrigens holte Mercedes mit Juan Manuel Fangio einen sehr erfolgreichen Fahrer von Ferrari. Obwohl er bei Mercedes nur noch einen Titel holte (mit Ferrari drei), wurde er unter dem Stern zur Legende. Gute Vorzeichen also für Schumachers Comeback.

Das Auto:

Der MGP-W01 ist die große Unbekannte im Feld. Das hängt natürlich auch mit der Ehrfurcht vor Ross Brawn zusammen. Viele Experten gehen davon aus, dass man bei den Tests nicht alles gezeigt hat. Für Bahrain kommt ein neues Aerodynamikpaket zum Einsatz. Wahrscheinlich werden die Karten erst beim Qualifying auf den Tisch gelegt. Dass das Auto Potenzial hat, haben die Februar-Tests gezeigt. Allerdings fanden sich die Silbernen in keiner Session ganz vorne. Technisch ist das Auto ein Brawn aus dem Vorjahr. Allerdings kommt jetzt die volle Unterstützung für die Motoren von Mercedes. Und der galt schon letztes Jahr als das Referenzaggregat. Aerodynamisch ist man trotz des Erfolges neue Wege gegangen. Musste man auch, denn in der zweiten Hälfte der Saison war der Vorsprung weggeschmolzen. Der Brawn war nur noch bedingt ein Siegerauto. Die Nase erinnert an den Red Bull, die Airbox ist wieder eine Eigenentwicklung der besonderen Art. Auch der berühmt gewordene Doppeldiffusor wurde weiterentwickelt.

Was wird?

Alles ist möglich, aber nichts sicher. Einen solchen Vorsprung wie 2009 wird es nicht mehr geben. Dafür ist durch das Tankverbot die Strategie in Qualifying und Rennen wichtiger werden. Und da sind ja mit Brawn und Schumacher zwei Experten im Team. Ein Titel ist auf jeden Fall drin. Aber nur, wenn das Auto wirklich passt. Denn Wunder kann auch Schumacher nicht vollbringen. Das hat seine bisher letzte Saison 2005 gegen Alonso gezeigt.

Das sagt unser Formel-1-Experte Christian Danner:

„Das Auto ist ungefähr das, was im letzten Jahr der Brawn war – wenn man den Anfang der Saison mal außen vor lässt. Der Mercedes ist ein sehr gutes Auto, aber nicht das Beste. So, wie es sich im Moment darstellt, ist Mercedes nicht auf demselben Niveau wie Ferrari oder Red Bull. Aber das kann sich alles noch ändern, die Entwicklungsgeschwindigkeit in der Formel 1 ist ja atemberaubend. Die Fahrerkombination verspricht auf jeden Fall Spannung. Es ist nicht von Haus aus davon auszugehen, dass der Schumacher immer schneller fährt als Rosberg. Ich traue Nico Rosberg durchaus zu, dass er den siebenfachen Weltmeister packt.“

Quelle: NTV

Das Team
Teamchef: Ross Brawn Pole Positions: 8
Budget: 185 Millionen Chassis: Mercedes-Benz MGP W01
Angestellte: 600 Motor: Mercedes-Benz FO 108X
Starts (Siege): 12 (9) Testfahrer: Nick Heidfeld
Saisonstatistik 2009 (als Brawn GP)
Konstrukteurs-WM: 1. (172 Punkte) Schnellste Rennrunden: 9
Siege: 8 Podestplätze: 15
Pole Positions: Ausfälle: 2
Michael Schumacher (Nr. 3) Nico Rosberg (Nr. 4)
Fahrerwertung: — Fahrerwertung: 7. mit 34,5 Punkten
Siege: — Siege: 0
Podestplätze: — Podestplätze: 0
Pole Positions: — Pole Positions: 0
Bester Startplatz: — Bester Startplatz: 3.
Bestes Rennergebnis: — Bestes Rennergebnis: 5.
Testkilometer 2010: 3.219 Testkilometer 2010: 3.104

2010 kein Klima-Vertrag


Das Scheitern geht weiter 2010 kein Klima-Vertrag

Die Gletscher schmelzen, die globale Politik schaut zu.

EU-Klimakommissarin Hedegaard glaubt nicht mehr daran, dass Ende dieses Jahres in Mexiko ein neuer Weltklimavertrag abgeschlossen werden kann. Der Vorsitzende des Umweltausschusses im Europaparlament, Leinen, fordert einen „Plan B“. Derweil nimmt China den Mini-Kompromiss von Kopenhagen offiziell an.

Ein neues internationales Abkommen zum Klimaschutz wird es nach Einschätzung der Europäischen Union voraussichtlich auch in diesem Jahr nicht geben. Eine Einigung sei „leider wenig wahrscheinlich“, erklärte EU-Kommissarin Connie Hedegaard bei der Vorstellung ihrer neuen Klimaschutzstrategie. Die EU wäre bereit, Ende 2010 auf der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancun ein weltweit verbindliches Abkommen zu beschließen. Dies könne sich aber „wegen der Differenzen zwischen den Ländern bis 2011 verzögern“. Eigentlich sollte bereits Ende vergangenen Jahres auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll erzielt werden. Die Teilnehmerstaaten konnten sich jedoch nur auf das Ziel einigen, einen Anstieg der Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Rechtlich bindende Vorgaben, mit denen das erreicht werden soll, wurden aber nicht vereinbart. Umweltschützer kritisierten das Ergebnis der Konferenz daher als unzureichenden Minimalkonsens.

Chance nicht vollständig genutzt

Der Klimawandel lässt sich nur eindämmen, wenn alle starken Emittenten Maßnahmen ergreifen“, betonte Hedegaard. „In Kopenhagen hatte die Welt eine einzigartige Chance und hat sie nicht vollständig genutzt. Jetzt müssen wir die Impulse aufrecht erhalten und unser Möglichstes tun, um in Cancun konkrete und spürbare Ergebnisse zu erreichen und spätestens in Südafrika (Ende 2011) Einigung über die Rechtsform zu erzielen. Die EU will dazu die Führungsrolle übernehmen, um bis 2020 „die klimafreundlichste Region der Welt zu werden“. Die neue Strategie zielt dem Papier zufolge auf einen weltweiten Neustart im Ringen um ein tragfähiges und verbindliches Übereinkommen ab, das alle Länder in konkrete Klimaschutzmaßnahmen einbindet. Die EU will Maßnahmen ergreifen, um rasch mit der Umsetzung der Kopenhagener Vereinbarung und insbesondere mit der Anschubfinanzierung für die Entwicklungsländer in Höhe von 2,4 Milliarden Euro jährlich von 2010 bis 2012 zu beginnen. Die Kommission ist entschlossen, bei den weltweiten Maßnahmen für den Klimaschutz nicht nachzulassen“, erklärte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Noch vor dem Europäischen Rat im Juni wird die Kommission dem Papier zufolge darlegen, wie sie die Umstellung der EU auf eine CO2-arme Wirtschaft bis 2050 erreichen will.

Indien und China stimmen Kopenhagen zu

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich jüngst skeptisch zu den Aussichten auf ein neues Klimaabkommen noch in diesem Jahr gezeigt. Als Problem machte sie aus, „dass Indien und auch China keine bindenden Verpflichtungen eingehen wollen“. Immerhin nahmen die beiden Staaten am Dienstag als letzte großen Schwellenländer die Beschlüsse von Kopenhagen offiziell an, die damit von inzwischen mehr als 100 Staaten, darunter auch den USA als einem der größten Verursacher der klimaschädlichen Treibhausgase, akzeptiert werden. Entscheidend ist jedoch, dass konkrete Zielvorgaben zur CO2-Senkung festgelegt werden, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Wissenschaftler der Vereinten Nationen empfehlen dazu bis 2020 eine Absenkung um 25 bis 40 Prozent im Vergleich zum Niveau von 1990. Die EU hat zugesagt, ihre Emissionen bis Ende dieses Jahrzehnts um 20 Prozent unter die Werte von 1990 zu drücken und sogar die 30-Prozent-Marke anzustreben, wenn andere wirtschaftlich starke Länder „in angemessenem Umfang“ mitziehen.

Quelle: NTV