Die Angst vor der atomaren Katastrophe bleibt


Mehrere Atomkraftwerke in Japan mit Probleme

Nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami ist die Gefahr einer atomaren Katastrophe weiterhin nicht gebannt. Vier Atomkraftwerke in Japan melden inzwischen Probleme. Widersprüchliche Informationen über eine Kernschmelze gibt es aus der schwer beschädigten Anlage Fukushima. Regierungssprecher Yukio Edano widersprach seinen eigenen Angaben. Zunächst schloss er eine „geringe Kernschmelze“ im Reaktor 3 nicht aus. Stunden später kam das Dementi: Es habe im Reaktor 3 am Sonntag keine Kernschmelze stattgefunden. Radioaktive Strahlungswerte im Kraftwerk überschritten zwar die zugelassenen Werte, doch Edano versicherte, es bestehe keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung.

Wie bereits am Reaktor Nummer 1 sei zwar die Kühlfunktion ausgefallen. Dadurch sei das Kühlwasser zurückgegangen – durch Salzwasserzufuhr seien die Brennstoffstäbe aber inzwischen wieder im Wasser. Edano sagte weiter, es könne allerdings sein, dass sich dadurch Wasserstoff unter dem Dach angesammelt habe. Doch selbst wenn es wie beim Reaktor Nummer 1 zur Explosion komme, könne der Reaktor dem widerstehen. Neue Evakuierungsmaßnahmen seien nicht nötig.

Kernschmelze im Reaktor 1 wahrscheinlich

Dass es im Reaktor 1 gestern schon zu einer Kernschmelze kam, hält die Atomsicherheitsbehörde für sehr wahrscheinlich. Klarheit gibt es allerdings nicht. Regierungssprecher Edano sagte, man wisse nicht, ob es dazu gekommen sei. Derweil gehen auch in Block Nummer 1 des Atomkraftwerks Fukushima I die Arbeiten weiter. Experten pumpen ein Meerwasser-Bor-Gemisch in die Anlage, um sie zu kühlen. In dem Block hatte es gestern eine Explosion gegeben. Dabei wurde ein Teil des Gebäudes zerstört. Laut Betreiberfirma TEPCO wurde dabei aber der innere Reaktorbehälter nicht beschädigt. Auch im wenige Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima II gibt es in drei Reaktoren Probleme mit den Kühlsystemen. Beide AKW liegen zwölf Kilometer entfernt voneinander und rund 240 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tokio.

Für weiteres Atomkraftwerk gilt nuklearer Notstand

Ein Mann wird auf erhöhte Strahlenwerte kontrolliert.  (Foto: dapd)
Unterdessen riefen die Behörden den nuklearen Notstand für ein weiteres Atomkraftwerk aus. Für das Kraftwerk Onagawa in der benachbarten nordöstlichen Provinz Miyagi sei wegen überhöhter Werte von Radioaktivität die niedrigste Notstandsstufe erklärt worden, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien mit. Zuvor hatten Atomexperten in der Region eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal gemessen. Die massiv erhöhten Strahlenwerte meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreibergesellschaft Tohoku.

Kühl-Probleme auch im AKW Tokai

Sorgen bereiten auch Meldungen aus einem vierten Atomkraftwerk: Im AKW Tokai an der Ostküste südlich von Fukushima gibt es offenbar Probleme mit der Kühlung. Wie der Betreiber, die Japan Atomic Power Company, mitteilte, sei die Reparatur des Kühlsystems im Gange. Eine Kühlpumpe sei ausgefallen, eine Zusatzpumpe arbeite jedoch und kühle den Reaktor. Die Anlage befindet sich rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio und hatte sich bei dem Beben am Freitag automatisch abgeschaltet.

Karte Japan mit Tokio

Untersuchung auf Strahlenbelastung

Aus Angst vor einer drohenden Atom-Katastrophe brachten die japanischen Behörden mehr als 200.000 Menschen in Sicherheit – vor allem rund um die Anlagen Fukushima I und II mussten die Menschen ihre Häuser verlassen. Für Fukushima I gilt ein Umkreis von 20 Kilometern, für Fukushima II von zehn Kilometern. Regierungssprecher Edano kündigte an, dass Zentren eingerichtet würden, in denen sich die Bürger auf Strahlungsbelastung untersuchen lassen könnten und sie gegebenenfalls mit Medikamenten versorgt werden. Zuvor war in japanischen Medien berichtet worden, drei Anwohner von Fukushima I seien verstrahlt worden. Über ihren Gesundheitszustand wurde nichts Genaueres bekannt. Die Behörden der Region Fukushima teilten dem japanischen Sender NHK zufolge mit, es seien weitere 19 Personen einer Strahlenbelastung ausgesetzt worden. Die IAEA hatte bekannt gegeben, dass in der Umgebung des betroffenen Atomkraftwerks die Ausgabe von Jod vorbereitet wird. Die Tabletten werden eingenommen, damit sich in den Schilddrüsen kein radioaktiv belastetes Jod ansammeln kann.

Die Atomanlage Fukushima:

Der Komplex des Atomkraftwerks Fukushima ist einer der größten in Japan.

Das Kraftwerk Fukushima I (Daiichi) besteht insgesamt aus sechs Siedewasserreaktoren. Fukushima I war vor 40 Jahren ans Netz gegangen. Das Werk Fukushima II (Daini) mit vier Siedewasserreaktoren nahm den Betrieb im April 1982 auf. Beide sind etwa zwölf Kilometer voneinander entfernt und liegen am Meer.
Fukushima I wurde von dem Erdbeben am schlimmsten betroffen. Ein derzeitiger Problemreaktor, Reaktor 1, ist der älteste der derzeit sechs Reaktorblöcke. Er stand nach Angaben aus einer internationalen AKW-Datenbank kurz vor der Stilllegung; eine Datenbank des Forschungszentrums Nuclear Training Centre (ICJT) in Slowenien nennt als „erwartetes Datum der Stilllegung“ den März 2011. Neben Reaktor 1 bereitet auch Reaktor 3 Probleme – in beiden sind die Kühlsysteme ausgefallen. Die sechs Reaktoren in Fukushima I haben eine Nennleistung von zusammen über 4000 Megawatt Strom. Das ist gut ein Drittel mehr als die größte deutschen Anlage Gundremmingen. Siedewasserreaktoren in Deutschland haben die Atomkraftwerke Brunsbüttel, Krümmel und Philippsburg.

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