Netzgigant Facebook schwächelt kurz vor Börsengang


Das soziale Netzwerk schwächelt wenige Wochen vor dem Börsengang. Trotz steigender Nutzerzahlen gehen Umsatz und Gewinn des Unternehmens zurück. Facebook sieht den Grund dafür in „saisonalen Trends“. Von T. Heuzeroth und T. Jüngling

Diese Facebook-Profile sind echte Hingucker

Mark Zuckerberg

Facebook, Mark ZuckerbergMark Zuckerberg – Der Facebook-Erfinder zeigt auf seiner Chronik seine Zuneigung zu Familienhund „Beast“. Der gar nicht so biestige Welpe gehört zur ungarische Hütehund-Rasse „Puli“ und hat sogar ein eigenes Facebook-Profil mit rund 500.000 Fans. Nur wenige Wochen vor dem erwarteten Börsengang  zeigt Facebook Schwächen. Das geht aus dem aktualisierten Börsenprospekt hervor, den das soziale Netzwerk nun vorgelegt hat. Das rund 200 Seiten umfassende Dokument dürfte potenzielle Investoren etwas vorsichtiger werden lassen. Denn zum ersten Mal seit zwei Jahren schrumpft der Umsatz im direkten Quartalsvergleich – und zwar vom Schlussquartal 2011 zum Auftaktquartal 2012 um sechs Prozent. Auf den ersten Blick verwundert das, weil die Zahl der Nutzer im gleichen Zeitraum kräftig gestiegen ist. Facebook begründete den Rückgang mit „saisonalen Trends“. Zu Weihnachten werben Firmen gemeinhin besonders stark – und Werbung ist für Facebook immer noch die Haupteinnahmequelle.

Für normale Firma ein Traumwert – für Facebook wenig

Von 2010 auf 2011 hatte Facebook dieses Loch jedoch umgehen können. Damals war das Unternehmen rasanter gewachsen als heute. Facebook hatte es in der Vergangenheit nicht selten geschafft, sein Geschäft binnen eines Jahres zu verdoppeln.

Facebook-Chronik

Konto-Einstellungen bei Facebook

Nun stieg der Umsatz im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum noch um 45 Prozent auf 1,06 Mrd. Dollar (807 Mio. Euro). Für jede normale Firma wäre das ein Traumwert – für Facebook ist es wenig.

Auch beim Gewinn musste Facebook zu Jahresbeginn Abstriche machen, im Quartal schrumpfte er auf 137 Mio. Dollar und damit um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hauptgrund für den Rückgang waren deutlich gestiegene Marketing- und Entwicklungskosten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte seine Mannschaft kräftig aufgestockt, und zwar um 46 Prozent auf gut 3500 Mitarbeiter.

Mehr als die Hälfte nutzt Facebook unterwegs

Das soziale Netzwerk hatte Ende März 901 Millionen aktive Nutzer im Monat. Ende Dezember waren es erst 845 Millionen. Mehr als die Hälfte von ihnen nutzen Facebook unterwegs, greifen also mit ihrem Smartphone auf das Netzwerk zu. Die Zahl ist weiter angestiegen, wenn auch ein wenig langsamer als bisher.

Kurz vor dem Börsengang, der für Mai erwartet wird, nennt Facebook nun auch detaillierte Zahlen: Die Nutzer werden immer aktiver: 300 Mio. Fotos werden bei Facebook täglich hochgeladen, vor einem Jahr waren es 250 Mio. Es gibt 125 Mrd. Freundschaftsbeziehungen unter den Mitgliedern (erstes Quartal 2011: 100 Mrd.), dazu haben die Mitglieder 3,2 Mrd. (2,7 Mrd.) mal den „Gefällt mir“-Knopf gedrückt.

Mittlerweile nimmt das Unternehmen mehr Rücksicht aufBeschwerden seiner Mitglieder. Den aus Datenschutzgründen umstrittenen Entwurf für seine neuen Nutzungsbedingungen zum Beispiel will Facebook überarbeiten. Die geänderte Version können die Teilnehmer des Netzwerks bis 27. April kommentieren.

Facebook erklärte, dass die Kommentare „bei der Entscheidung helfen, ob wir einen bestimmten Vorschlag übernehmen oder noch einmal überdenken oder ob eine Abstimmung erforderlich ist“. Das Online-Netzwerk will bei mehr als 7000 Kommentaren zu einer einzelnen Änderung mehrere Alternativen vorschlagen.

Die Hürde ist allerdings hoch: Weltweit müssten sich mindestens 30 Prozent der aktiven Nutzer an einer solchen Abstimmung beteiligen, damit Facebook das Ergebnis anerkennt. Nach derzeitigem Stand wären das mehr als 281 Millionen Mitglieder. Facebook hatte im März eine neue Version seiner „Erklärung der Rechte und Pflichten“ veröffentlicht. Diese war unter den Nutzern auf Kritik gestoßen.

Onlinespiele als große Einnahmequelle

Neben der Werbung verdient das Unternehmen vor allem an den beliebten Onlinespielen. Die Einnahmequellen abseits der Werbung steuerten im ersten Quartal schon beinahe ein Fünftel zum Umsatz bei. Zynga, das die erfolgreichsten Spiele stellt,verliert dabei ein wenig an Bedeutung. Der Anteil der von diesem Unternehmen entwickelten Spiele sank von 19 Prozent auf nunmehr 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Facebook dürfte in wenigen Wochen den größten Börsengang eines Internetunternehmens aller Zeiten hinlegen. Wie die Firma jetzt enthüllte, soll die Aktie an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden – das ist ein Schlag für die traditionsreiche New York Stock Exchange mit ihrem klassischen Parketthandel. Bei dem Börsengang winken nicht nur Gebühren, sondern auch jede Menge Renommee. Das Datum für den Börsengang ist aber weiterhin unklar.

Die Einnahmen sind auf fünf Mrd. Dollar veranschlagt. Der gesamte Börsenwert von Facebook – also inklusive der Anteile, die bei den Alteigentümern wie Mark Zuckerberg verbleiben – wird auf 75 Mrd. bis 100 Mrd. Dollar geschätzt. Damit wäre das Unternehmen etwa mit dem Hundertfachen des Jahresgewinns bewertet. Bei Dax-Unternehmen ist es oft nur das Zehnfache.

Zuckerberg soll „Alleinherrscher“ bei Facebook bleiben

Daher muss Facebook auf absehbare Zeit seinen Gewinn mindestens verachtfachen. Das dürfte schwierig sein, denn angesichts der schon jetzt sehr hohen Mitgliederzahl dürfte sich das Tempo beim Nutzerwachstum künftig eher abschwächen. Facebook muss deshalb aus dem einzelnen Teilnehmer mehr Geld herausholen oder die Einnahmen aus Werbung und Onlinespielen erhöhen.

Wie genau das gelingen soll, das hat Facebook-Chef Zuckerberg noch nicht im Detail dargelegt. Und was er sagt, dürfte auch in Zukunft maßgeblich sein. Trotz des Börsengangs bleibt Zuckerberg die unangefochtene Nummer eins. Er wird zwar nur 38 Prozent der Aktien, aber 58 Prozent der Stimmrechte halten. Viele Aktionäre haben angekündigt, ihr Stimmrecht auf den Alleinherrscher bei Facebook übertragen zu wollen.

Facebook ist derzeit auf Shopping-Tour

Um sich interessanter für Anleger zu machen, hatte Facebook erst vor wenigen Wochen die Übernahme des Fotodienstes Instagram für eine Mrd. Dollar verkündet. Der Börsenprospekt offenbart nun die Details des Kaufs: Demnach fließen 300 Mio. Dollar in bar, der Rest wird in Aktien bezahlt, 23 Mio. an der Zahl. Sollte der Kauf platzen – etwa wegen Bedenken der Wettbewerbshüter – stehen den Instagram-Eignern 200 Mio. Dollar als Trostpflaster zu.

Überhaupt ist Mark Zuckerberg derzeit auf Shopping-Tour. Facebook kaufte 650 Patente und Patentanwendungen von Microsoft, die ursprünglich dem Internet-Urgestein AOL gehörten – Kostenpunkt: 550 Mio. Dollar. Microsoft hatte die geschützten Ideen selbst erst vor zwei Wochen erworben und für ein größeres Paket insgesamt 1,1 Mrd. Dollar bezahlt.

Facebook wappnet sich mit dem Schritt gegen Streitigkeiten mit anderen Internet-Unternehmen. Zuletzt hatte Yahoo das Netzwerk wegen Patentverletzungen verklagt.

Quelle:Welt.de
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