Facebook-Konkurrenz Nutzer verspotten neues Google+


Die lieben User: Google+ wird ausgelacht

Ein Facelift für mehr Erfolg: Google hat sein soziales Netzwerk überarbeitet – zum Unmut von Mitgliedern und Entwicklern. Die machen sich jetzt über die ihrer Meinung nach fragwürdigen Design-Entscheidungen bei Google+ lustig.

Google hat die Oberfläche seines sozialen Netzwerks Google+ überarbeitet. Einer offenbar beliebten Funktion, dem Videochat Hangout, wurde nun prominent Platz eingeräumt. Das neue Layout kommt luftiger daher – vielleicht sogar zu luftig: Auf breiten Displays lässt Google+ viel ungenutzten Weißraum im Browserfenster. Angesichts der immer höher auflösenden Bildschirme eine Designentscheidung, die nun für reichlich Spott sorgt.

Bei Twitter machte sich schnell ein Mem, ein kollaborativer Metawitz breit: Unter dem Schlagwort #whitespace werden Vorschläge verbreitet, welchen Nutzen die große, leere Bildschirmfläche wohl haben könnte: um Topfblumen vor ihr aufzustellen, um Facebooks Instagram-Kauf etwas entgegenzusetzen, um ein Facebook-Fensterchen darin zu öffnen?

Zu den weniger umstrittenen Änderungen gehört die prominente Platzierung einer Liste mit aktuell diskutierten Themen, die stark an Twitters Trending Topics erinnert. Die Design-Änderungen fachten auch ernstzunehmende Kritik an: App-Entwickler Mohamed Mansour wirft Google schlechten Umgang mit freien Entwicklern vor.

Er sei von der Design- und Funktionsänderung überrascht worden, seine millionenfach heruntergeladenen Google+-Apps seien nun so lange potentielle Fehlerquellen, bis er sie angepasst habe. Warum hat Google ihn und andere Entwickler nicht vor den tiefgreifenden Design-Änderungen gewarnt, fragt Mansour? Wie ihm dürfte es auch vielen anderen Entwicklern gegangen sein. „Facebook hat sowas nie gemacht“, beschwert sich Mansour in einem öffentlichen Blog-Eintrag bei Google+. „Dort gab es eine Übergangszeit, in der wir die Chance zu Anpassungen und Anmerkungen hatten.“

Kritik am „Datenstaubsauger“

Google hatte sein soziales Netzwerk erst spät gestartet, nun soll es dabei helfen, die diversen Google-Funktionen personalisiert zusammenzuführen. Die Änderungen im Hintergrund, an den Datenschutzrichtlinien, die eine Art Super-Profil ermöglichen, hat Google bereits vollzogen. Künftig könnte Google+ im Zentrum jeder Nutzeraktivität stehen – und dazu muss diese mächtige Funktion möglichst unsichtbar und nebensächlich werden. Google beschreibt die Umgestaltung im Firmenblogetwas holprig: „Unser Ziel ist ein Erlebnis, das Nützlichkeit und Attraktivität miteinander verschmilzt.“

Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen – und in den Augen vieler Kritiker eine Abkehr vom bisherigen Google-Versprechen, eine möglichst objektive Web-Suche anzubieten. Wie erfolgreich Google+ ist, lässt sich kaum sagen. Das Unternehmen selbst zählt 170 Millionen Nutzer bei seinem Netzwerk, wie viele davon allerdings wie viel Zeit mit dem Netzwerk verbringen, sagt Google nicht.

Der ehemalige Google- und jetzige Microsoft-Angestellte James Whittaker geht sogar so weit, einen Abstieg Googles zu prophezeien. Schuld daran sei Google+.

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