Die Angst vor der atomaren Katastrophe bleibt


Mehrere Atomkraftwerke in Japan mit Probleme

Nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami ist die Gefahr einer atomaren Katastrophe weiterhin nicht gebannt. Vier Atomkraftwerke in Japan melden inzwischen Probleme. Widersprüchliche Informationen über eine Kernschmelze gibt es aus der schwer beschädigten Anlage Fukushima. Regierungssprecher Yukio Edano widersprach seinen eigenen Angaben. Zunächst schloss er eine „geringe Kernschmelze“ im Reaktor 3 nicht aus. Stunden später kam das Dementi: Es habe im Reaktor 3 am Sonntag keine Kernschmelze stattgefunden. Radioaktive Strahlungswerte im Kraftwerk überschritten zwar die zugelassenen Werte, doch Edano versicherte, es bestehe keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung.

Wie bereits am Reaktor Nummer 1 sei zwar die Kühlfunktion ausgefallen. Dadurch sei das Kühlwasser zurückgegangen – durch Salzwasserzufuhr seien die Brennstoffstäbe aber inzwischen wieder im Wasser. Edano sagte weiter, es könne allerdings sein, dass sich dadurch Wasserstoff unter dem Dach angesammelt habe. Doch selbst wenn es wie beim Reaktor Nummer 1 zur Explosion komme, könne der Reaktor dem widerstehen. Neue Evakuierungsmaßnahmen seien nicht nötig.

Kernschmelze im Reaktor 1 wahrscheinlich

Dass es im Reaktor 1 gestern schon zu einer Kernschmelze kam, hält die Atomsicherheitsbehörde für sehr wahrscheinlich. Klarheit gibt es allerdings nicht. Regierungssprecher Edano sagte, man wisse nicht, ob es dazu gekommen sei. Derweil gehen auch in Block Nummer 1 des Atomkraftwerks Fukushima I die Arbeiten weiter. Experten pumpen ein Meerwasser-Bor-Gemisch in die Anlage, um sie zu kühlen. In dem Block hatte es gestern eine Explosion gegeben. Dabei wurde ein Teil des Gebäudes zerstört. Laut Betreiberfirma TEPCO wurde dabei aber der innere Reaktorbehälter nicht beschädigt. Auch im wenige Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima II gibt es in drei Reaktoren Probleme mit den Kühlsystemen. Beide AKW liegen zwölf Kilometer entfernt voneinander und rund 240 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tokio.

Für weiteres Atomkraftwerk gilt nuklearer Notstand

Ein Mann wird auf erhöhte Strahlenwerte kontrolliert.  (Foto: dapd)
Unterdessen riefen die Behörden den nuklearen Notstand für ein weiteres Atomkraftwerk aus. Für das Kraftwerk Onagawa in der benachbarten nordöstlichen Provinz Miyagi sei wegen überhöhter Werte von Radioaktivität die niedrigste Notstandsstufe erklärt worden, teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien mit. Zuvor hatten Atomexperten in der Region eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal gemessen. Die massiv erhöhten Strahlenwerte meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreibergesellschaft Tohoku.

Kühl-Probleme auch im AKW Tokai

Sorgen bereiten auch Meldungen aus einem vierten Atomkraftwerk: Im AKW Tokai an der Ostküste südlich von Fukushima gibt es offenbar Probleme mit der Kühlung. Wie der Betreiber, die Japan Atomic Power Company, mitteilte, sei die Reparatur des Kühlsystems im Gange. Eine Kühlpumpe sei ausgefallen, eine Zusatzpumpe arbeite jedoch und kühle den Reaktor. Die Anlage befindet sich rund 120 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio und hatte sich bei dem Beben am Freitag automatisch abgeschaltet.

Karte Japan mit Tokio

Untersuchung auf Strahlenbelastung

Aus Angst vor einer drohenden Atom-Katastrophe brachten die japanischen Behörden mehr als 200.000 Menschen in Sicherheit – vor allem rund um die Anlagen Fukushima I und II mussten die Menschen ihre Häuser verlassen. Für Fukushima I gilt ein Umkreis von 20 Kilometern, für Fukushima II von zehn Kilometern. Regierungssprecher Edano kündigte an, dass Zentren eingerichtet würden, in denen sich die Bürger auf Strahlungsbelastung untersuchen lassen könnten und sie gegebenenfalls mit Medikamenten versorgt werden. Zuvor war in japanischen Medien berichtet worden, drei Anwohner von Fukushima I seien verstrahlt worden. Über ihren Gesundheitszustand wurde nichts Genaueres bekannt. Die Behörden der Region Fukushima teilten dem japanischen Sender NHK zufolge mit, es seien weitere 19 Personen einer Strahlenbelastung ausgesetzt worden. Die IAEA hatte bekannt gegeben, dass in der Umgebung des betroffenen Atomkraftwerks die Ausgabe von Jod vorbereitet wird. Die Tabletten werden eingenommen, damit sich in den Schilddrüsen kein radioaktiv belastetes Jod ansammeln kann.

Die Atomanlage Fukushima:

Der Komplex des Atomkraftwerks Fukushima ist einer der größten in Japan.

Das Kraftwerk Fukushima I (Daiichi) besteht insgesamt aus sechs Siedewasserreaktoren. Fukushima I war vor 40 Jahren ans Netz gegangen. Das Werk Fukushima II (Daini) mit vier Siedewasserreaktoren nahm den Betrieb im April 1982 auf. Beide sind etwa zwölf Kilometer voneinander entfernt und liegen am Meer.
Fukushima I wurde von dem Erdbeben am schlimmsten betroffen. Ein derzeitiger Problemreaktor, Reaktor 1, ist der älteste der derzeit sechs Reaktorblöcke. Er stand nach Angaben aus einer internationalen AKW-Datenbank kurz vor der Stilllegung; eine Datenbank des Forschungszentrums Nuclear Training Centre (ICJT) in Slowenien nennt als „erwartetes Datum der Stilllegung“ den März 2011. Neben Reaktor 1 bereitet auch Reaktor 3 Probleme – in beiden sind die Kühlsysteme ausgefallen. Die sechs Reaktoren in Fukushima I haben eine Nennleistung von zusammen über 4000 Megawatt Strom. Das ist gut ein Drittel mehr als die größte deutschen Anlage Gundremmingen. Siedewasserreaktoren in Deutschland haben die Atomkraftwerke Brunsbüttel, Krümmel und Philippsburg.

Katastrophe wie in Japan in Deutschland möglich ?


Laut den AKW-Betreibern ist eine Katastrophe, wie die in Japan in Deutschland nicht möglich. Nach dem schweren Erdbeben droht in einem Atomkraftwerk Japans nun die Kernschmelze. Die Atomkraftwerke in Deutschland könnten jedoch auch einem starken Erdbeben standhalten.
Eine Katastrophe wie im japanischen Atomkraftwerk Fukushima kann sich in Deutschland nach Angaben der AKW-Betreiber so nicht ereignen. „Eine Verkettung eines derart schweren Erdbebens und eines schweren Tsunamis ist in Deutschland nicht vorstellbar“, erklärte das Atomforum, in dem die Kraftwerksbetreiber zusammengeschlossen sind, am Samstag. Die deutschen AKW seien so ausgerichtet, dass sie auch starken Erdbeben widerstehen könnten. Die deutschen Betreiber würden die Vorkommnisse in Japan auswerten, sobald die hierfür notwendigen gesicherten Erkenntnisse vorlägen.
Das Atomkraftwerk Fukushima 1 war bei dem schwersten Erdbeben in der Geschichte Japans am Freitag stark beschädigt worden. Die Kühlung fiel aus, dadurch droht eine Kernschmelze. Nach der Explosion der Beton-Außenhülle des Reaktors trat am Samstag radioaktive Strahlung aus. Wir müssen die technischen Vorgänge in den japanischen Kernkraftwerken auf Basis gesicherte Erkenntnisse analysieren und uns dann fragen, welche Konsequenzen wir aus diesen Geschehnissen für unsere Kernkraftwerke ziehen“, sagt der Chef des AKW-Betreibers EnBW, Hans-Peter Villis, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. EnBW stehe in intensivem weltweitem Austausch mit anderen AKW-Betreibern, um die Geschehnisse in Japan fortlaufend zu bewerten. Villis kritisierte das erneute Aufkeimen einer Atomdebatte. „Eine politische Diskussion in Deutschland um die Zukunft der Kernkraft hilft weder den Menschen in Japan, noch kann sie aufgrund der noch ungesicherten Fakten jetzt technisch fundiert geführt werden.“ E.ON und RWE wollten sich zu den Ereignissen in Japan nicht äußern und verwiesen auf die Erklärung des Atomforums, dessen Mitglieder E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall sind.

Nach der Terrorwarnung “ Wenn am Bahnhof die Gitter runtergehen „


Die Terrorwarnung von Innenminister de Maizière und ihre Folgen: In München verstärkt die Polizei die Kontrollen sichtbar – und sperrt den Bahnhof teilweise ab.

Um 15.18 Uhr gingen die stählernen Rolltore an den Seiteneingängen des Hauptbahnhofs hinunter. Und dort sollen sie bis auf weiteres auch bleiben. Denn die akute Terrorgefahr, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Mittwochmittag für das gesamte Bundesgebiet öffentlich gemacht hatte, hat auch für den Großraum München sichtbare Folgen. Neben dem Hauptbahnhof soll auch der Münchner Flughafen verstärkt kontrolliert werden. An den Bahnhöfen in Nürnberg, Augsburg, Ingolstadt und Ansbach sind ebenfalls verstärkte Kontrollen geplant.

Sicherheitsvorkehrungen am Muenchner Hauptbahnhof Bild vergrößernAm Münchner Hauptbahnhof werden die Sicherheitsmaßnahmen massiv verschärft – am Nachmittag werden die Rolltore an den Seiteneingängen heruntergelassen. (© dapd) 

In München hat die Inspektion der Bundespolizei ihre Kräfte umverteilt, 75 Beamte sind derzeit im Gebiet des S-Bahn-Netzes eingesetzt, Verstärkung ist bereits angefordert. Am Hauptbahnhof waren uniformierte Beamte an den Eingängen postiert, die durch die heruntergelassenen Rolltore verengt wurden. An diesen Eingängen kontrollierten die Beamten Reisende, die in eine bestimmtes Profil passen. Sie ließen sich Reisedokumente und Taschen zeigen. Auch Sprengstoffhunde seien im Einsatz sowie Schutzhunde, die gegen gewalttätige Störer eingreifen könnten, sagte der Münchner Inspektionsleiter Jürgen Vanselow. Zudem werde an Metalldetektoren an den verengten Zugängen gedacht. Deutlicher zeigen will sich die Bundespolizei auch an weiteren S-Bahnhöfen und in den Zügen.

Verstärkt wird die Bundespolizei durch Zivilkräfte, durch die Landespolizei, die Sicherheitskräfte der Deutschen Bahn und auch die Berufsfeuerwehr. Diese hat angeboten, beim Auffinden gefährlicher Chemikalien zu helfen. „Einhundertprozentige Sicherheit gibt es aber nur im Himmel“, sagte Vanselow. Angst müsse dennoch niemand haben. Ein Sprecher der Bundespolizei betonte, dass die Terrorgefahr in München derzeit nicht höher sei als in anderen Großstädten im Bundesgebiet.

Herrmann: Kein Anlass, in Panik zu verfallen

„Wir sind zurzeit noch wachsamer, als wir es ohnehin schon sind“, sagte Matthias Knott, Sprecher der Bundespolizei am Münchner Flughafen. Sichtbar ist die erhöhte Aufmerksamkeit der Beamten durch ihre Ausstattung. Sie patrouillieren derzeit mit zusätzlichen Schutzwesten und Maschinenpistolen über das Flughafengelände. Über weitere Maßnahmen wollte sich Knott nicht äußern. Man will möglichen Attentätern keine Hinweise geben, wie das Sicherheitssystem am Flughafen zu knacken ist. Bei der Lufthansa würden seit den Anschlägen vom 11. September ohnehin die höchsten Sicherstandards gelten, die es seit Bestehen der Luftfahrt gebe, betonte Sprecherin Bettina Rittberger. „Und dieser Level ist auch nie wieder abgesenkt worden“. Dazu gehöre beispielsweise, dass Koffer eines Passagiers, der eingecheckt, aber nicht im Flugzeug erschienen sei, sofort wieder ausgeladen würden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann betonte, die Bedrohung müsse ernst genommen werden, es gebe jedoch keinen Anlass „in Panik und Angst zu verfallen“. Nach Herrmanns Worten gibt es keine konkreten Hinweise, dass es mögliche Attentäter auf die Weihnachtsmärkte abgesehen hätten. „Es gibt keinen Anlass, Veranstaltungen zu meiden oder abzusagen“, sagte Herrmann.

Peter Dathe, Präsident des Bayerischen Landeskriminalamtes, ist von der Einschätzung der Bedrohungslage nicht überrascht. Die Paketbomben in der Luftfracht, die Erkenntnisse der Nachrichtendienste sowie die verstärkte Aus- und Einreisetätigkeit in Richtung Afghanistan ließen Schlüsse auf einen geplanten Terrorakt zu. „Das Grundrauschen wird immer stärker“, so Dathe.

Der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer kündigte verstärkte Überwachungsmaßnahmen an. Bislang gebe es aber keine Erkenntnisse, dass sich Teilnehmer aus Terrorlagern in München aufhielten.

Quelle: sueddeutsche.de, supportstore.de, sl-reseller.de, domain-portal24.de

Nach den Terrorwarnungen „Polizei sind in Lauerstellung“


Berlin, Hamburg, München – laut Sicherheitsbehörden ist dort die Anschlagsgefahr am größten. Doch die meisten Menschen nehmen es gelassen – auch wenn die schwerbewaffneten Polizisten nur stichprobenartig kontrollieren.

Für Stefan Leisz ist der Terror greifbar. Schließlich könnte es jederzeit passieren, dass er ihn auf seinen blauroten Gepäckwagen lädt, auf den er sich gerade aufstützt. Mit nachdenklichem Gesicht steht Leisz an Gleis 25 des Münchner Hauptbahnhofs. „Gepäckservice“ ist auf seinen Blaumann gestickt. Seit zwei Jahren ist Leisz, 44, der Mann fürs Gepäck. Und wenn er an diesem Morgen zum Bahnhofseingang an der Arnulfstraße schaut, sieht er die Stadt durch metallene Raster.

Sicherheitsvorkehrungen am Hauptbahnhof Dresden Bild vergrößernAn Flughäfen und Bahnhöfen haben die Sicherheitskräfte die Kontrollen massiv verstärkt. (© dapd)

Seit Mittwoch hat die Bundespolizei Rolltore heruntergelassen, um die Eingänge zu verengen, hat dort Beamte in schusssicheren Westen postiert, die schwerer bewaffnet sind als üblich. Sie sollen Reisenden, aber auch Menschen wie Stefan Leisz Sicherheit geben. Doch sicher fühlt der sich nicht, im Gegenteil. Seit Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Mittwoch vor einer akuten Bedrohung gewarnt hat und seit die Polizei sich so deutlich zeigt, ist auch Leisz verunsichert. „Ich mache mir schon Gedanken“, sagt er. Wer wisse schon, was er da transportiere in den vielen Taschen und Koffern, die er jeden Tag auf seinen Gepäckwagen hievt. Wenn er ein herrenloses Gepäckstück sehe, sei er jedenfalls „sehr vorsichtig“. Dass die Polizei ihn schützen könnte, glaubt er nicht. Doch nicht viele Münchner sind so besorgt wie Leisz. Sie nehmen kaum Notiz von den Schwerbewaffneten, die paarweise durch die Bahnhofshalle patrouillieren. Auch Zivilstreifen sind unterwegs. Ein Lokführer wartet an Gleis 23 auf seinen Einsatz. Ob er Angst hat? „So schlimm ist es nicht“, sagt er kurz und klingt ebenso gelassen wie die Mitarbeiter bei den Schließfächern. „Wenn ich zu Hause aus der Tür und über die Straße gehe, ist das gefährlicher“, sagt einer von ihnen. „Wir sind aber schon in Lauerstellung“, ein anderer. Der Münchner Hauptbahnhof ist keine Festung. Während durch den Wareneingang Stapel von Paketen, Getränkekisten, Speisen angeliefert und in den Bahnhof gerollt werden, kontrollieren Polizisten einzelne Reisende. Es ist nicht mehr als eine Stichprobe: Ein Mann aus Nordafrika und seine Begleiterin müssen ihre Papiere vorzeigen, die Beamten prüfen die Identität des Mannes, dann darf das Paar weiter zum Zug. Währenddessen sind Dutzende Passanten an den Polizisten vorbeigezogen. Terrorangst ist unter den Passanten am Donnerstag nicht zu spüren: Nicht in der U-Bahn im Berufsverkehr, nicht am Marienplatz, und auch nicht am Flughafen, wo in der Nacht zuvor um 0:40 Uhr 296 Passagiere eines Air-Berlin-Fluges aus dem namibischen Windhuk gelandet waren. Dort hatte die Polizei ein verdächtiges Gepäckstück aus dem Verkehr gezogen, das offenbar in den Flieger nach München verladen werden sollte. Beim Durchleuchten des Gepäckstücks seien Batterien sichtbar geworden, die laut Bundeskriminalamt über Kabel mit einem Zünder und einer laufenden Uhr verbunden waren, wohl auch mit einem Sprengsatz. Das BKA überprüfte noch in der Nacht die Passagiere. Am Münchner Flughafen geht dennoch alles weitgehend seinen gewohnten Gang. Die Sicherheitsleute kontrollieren Reisende und ihr Handgepäck gründlich, aber nicht gründlicher als an normalen Tagen. Kein Hinweis warnt vor erhöhter Terrorgefahr. Ein einsamer Bildschirm zeigt Nachrichten des Senders N24, „Deutschland in Terrorangst“, steht dort grell-orange geschrieben. Von den Reisenden dreht niemand den Kopf oder bleibt stehen. Täten sie es, sie würden hören, wie ein Experte sagt: „Die Gefahr, in Deutschland vom Blitz getroffen zu werden, ist größer, als Opfer eines Terroranschlages zu werden.“

Flughafensicherheit ließe sich leicht verbessern

So würde das wohl auch Birgit Baier formulieren. Seit 20 Jahren arbeitet sie am Flughafen, sie sitzt am Service-Schalter in der Abflughalle des Terminals 1. „Ich habe keine Angst“, sagt sie. „Wenn man die Zeitungen aufschlägt, ist alles voll von Krieg und Terror“, sagt sie, „aber ich habe Vertrauen, dass nichts passiert.“ Dass die Polizei sich an Flughäfen und anderen Verkehrsknotenpunkten in den kommenden Wochen deutlicher zeigen will, gibt Baier keine Sicherheit. Wer einen Anschlag verüben wolle, der lasse sich davon nicht beeindrucken, glaubt sie.

Ähnlich sieht das auch Steffen Baumann. Genauso lange wie Baier arbeitet er am Flughafen, früher hat er Koffer verladen, jetzt kümmert er sich um Sperrgepäck. Für seine Arbeit brauche er eine gute Menschenkenntnis, sagt er; er wisse, bei welchen Gepäckstücken er genauer hinschauen müsse. „Man muss die Leute mit Vorsicht genießen.“ Die Sicherheit am Flughafen ließe sich indes leicht verbessern, findet er.

In Chiang Mai in Thailand hat er kürzlich erlebt, dass nur diejenigen in den Flughafen durften, die ein Ticket besaßen und die schon am Eingang ihr Gepäck durchleuchten ließen. Das würde er sich auch für München wünschen.

Der Mann und die Frau mit den dunkelblauen Overalls, den Schusswesten und umgehängten Maschinenpistolen sehen das naturgemäß anders. Sie ziehen ihre Runden durch die Schalterhalle, in der Baier und Baumann sitzen. Für die beiden Bundespolizisten ist der Einsatz Routine, sagen sie. „Es ist unsere Aufgabe und Arbeit, die Passagiere zu schützen“, sagt der Mann. Niemand habe sie darauf angesprochen, dass sie an diesem Tag schwerer bewaffnet auftreten als üblich: „Die Leute sind einfach so mit sich selbst beschäftigt, dass es ihnen gar nicht auffällt.

Quelle: sueddeutsche.de, supportstore.de, sl-reseller.de, domain-portal24.de

Terrorgefahr in Deutschland


Tägliche Warnung vor der Apokalypse

Die Nachrichtendienste waren lange unsicher, wie verlässlich die vielen Hinweise auf Attentate sind. Nun sollen öffentliche Warnungen das Schlimmste verhindern. An Hinweisen auf drohende Anschläge hat es in den vergangenen Monaten wirklich keinen Mangel gegeben. Der saudische und auch der marokkanische Geheimdienst wussten von einer Zelle zu berichten, die angeblich Paris ins Visier genommen habe. Es gab Festnahmen. Die Amerikaner warnten vor Terroristen, die in der Sprengung von Gebäuden ausgebildet worden seien und Attentate in Europa planten. Zwei deutsche Islamisten, die im Frühjahr 2009 aus Hamburg an den Hindukusch gezogen waren und in Pakistan und Afghanistan festgenommen wurden, hatten von angeblich sehr konkreten Anschlagsplänen in Europa berichtet. Aber sie nannten keinen Ort und keinen Zeitpunkt für einen Anschlag.

Innenminister von Rheinland-Pfalz nennt konkrete Terrorhinweise für Städte

Wenn Nachrichtendienste einen Depeschendienst hätten, der die Öffentlichkeit mit Nachrichten versorgt, wären die Zeitungen voll gewesen von Geschichten über die angeblich täglich drohende Apokalypse. Hunderte Hinweise gab es und noch mehr Geraune. Nur, welcher Tipp war ernst zu nehmen, welcher basierte auf einer Lügengeschichte, welcher beruhte auf der Propaganda islamistischer Wichtigtuer? Selbst die Geheimdienste und Staatsschützer blickten nicht durch. Sie sammelten unablässig Informationen- wie ein Wal, der Tonnen von Wasser in sich hineinschwappen lässt für ein paar Gramm Plankton. Über die Glaubwürdigkeit der diversen Quellen waren sich die Dienste lange Zeit uneins. Wie ernst sind die Anschlagswarnungen eines Hamburger Islamisten zu nehmen, der nach kurzer Zeit am Hindukusch mit Top-Leuten des Terrors zusammengekommen sein will? Ist er auf seine spezielle Weise seriös, oder ist er eine unseriöse Quelle?

Es gibt keine gemeinsame Lagebeurteilung der internationalen Dienste. Sie bewerten solche Aussagen zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich. Manchmal spielen bei der Auslegung auch sicherheitspolitische Debatten eine Rolle. Amerikanische Dienste sind leichter bereit, vom Schlimmsten auszugehen, als zum Beispiel der Bundesnachrichtendienst. So wurden dieselben Aussagen festgenommener Dschihadisten von den amerikanischen Behörden und den deutschen Behörden lange Zeit unterschiedlich bewertet. Die Amerikaner beharrten darauf, dass ihre Warnungen furchtbar ernst zu nehmen seien, und verwiesen dann auf weitere Informationen, die den Europäern nicht zur Verfügung stünden, die aber sehr alarmierend seien. Zu den Regularien der deutschen Sicherheitsbehörden gehört es, dass sie Sicherheitsstufen festlegen. Es gab in den vergangenen Wochen eine neue Nachricht eines ausländischen Polizeidienstes, dass auch in Deutschland ein Anschlag drohe. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte und hat keinen Beleg dafür, dass diese Warnung falsch ist. „Bei diesem Stand müssen wir von einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine Anschlagsplanung ausgehen“, sagt ein hochrangiger Sicherheitsbeamter. Nachdem das BKA durch eigene Ermittlungen auch Hinweise auf mögliche Anschlagsplanungen in Deutschland erhielt, spitzte sich die Lage nun zu. Terroranschläge seien „ernsthaft naheliegend“, schreibt das Bundeskriminalamt (BKA) in einer frischen Analyse zu den Gefahren des islamistischen Terrorismus. Was heißt das? Droht die Gefahr heute, morgen, übermorgen, droht sie immer oder nie? Ob eine Warnung berechtigt war oder nicht, das lässt sich leicht feststellen, wenn etwas passiert ist. Wenn aber am Ende nichts passiert, dann kann es schon sein, dass die starke und spürbare Prävention durch die Behörden ein Attentat verhindert hat. Es kann sogar sein, dass potentielle Attentäter durch starke Präsenz des Staates abgeschreckt werden. Manchmal werden auch Terrorpläne durch Bürger vereitelt. Ein Beispiel dafür ist der gescheiterte Autobomben-Anschlag am 1.Mai dieses Jahres auf dem New Yorker Times Square, der dank der Wachsamkeit von Passanten verhindert werden konnte.

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Internetangriff aus China


US-Kommission wirft China Datenentführung vor

Netzwerkkabel: Leitete China Daten aus den USA über eigene Server um?

DPA

Netzwerkkabel: Leitete China Daten aus den USA über eigene Server um?

War das eine gezielte Attacke? IT-Experten beschuldigen China in einem Bericht für den US-Kongress, in großem Stil Datenverkehr aus den USA auf eigene Server umgeleitet zu haben. Der betroffene Staatskonzern bestreitet die Vorwürfe, Experten sehen ein fundamentales Sicherheitsrisiko.

18 Minuten lang lief an einem Tag im April der Internetverkehr vieler US-Regierungsbehörden und Unternehmen plötzlich über chinesische Server, erklärt ein Beratungsgremium des US-Kongresses. Den Vorfall beschreibt ein Abschnitt in dem an diesem Mittwoch veröffentlichen Bericht ( PDF-Dokument) der „U.S.-China Economic and Security Review Commission“. Dem Bericht zufolge leitete in dieser Zeitspanne das Unternehmen China Telecom etwa 15 Prozent des Datenverkehrs aus den Vereinigten Staaten und anderen Ländern nach China um, unter anderem Datenpakete von US-Regierungsstellen, dem US-Militär und diversen Unternehmen wie IBM und Microsoft.

China Telecom bestreitet Datenentführung

Eigentlich hätten die Datenpakete den schnellsten und kürzesten Weg im US-Netz nehmen sollen – eine E-Mail von Washington nach Baltimore dürfte zum Beispiel nicht über chinesische Server laufen. Die Umleitung soll laut Sicherheitsforschern des US-Unternehmens McAfee über eine Manipulation der Routing-Informationen gelungen sein. China Telecom soll – einfach ausgedrückt – den angeschlossenen Systemen im Netz erklärt haben, seine eigenen Systeme könnten den Datenverkehr schneller als alle anderen weiterleiten. McAfee-Forschungschef Dmitri Alperovitch erklärt auf Anfrage, wie sein Unternehmen diese kurzfristige Umleitung des weltweiten Datenverkehrs bemerkt hat: „So eine Routing-Entführung kann jeder feststellen, der an vielen Stellen weltweit den Datenverkehr beobachtet, wie McAfee es tut. Wir achten auf Veränderungen in den Routing-Informationen der Internetprovider.“ Diese Daten sind offen zugänglich, aber nur wer sie weltweit aufzeichnet und abgleicht, bemerkt solche Muster.

US-Sicherheitsforscher: „Einer der größten Fälle dieser Art“

Quelle der Routing-Fehlinformation ist laut dem Bericht für den Kongress und McAfee Chinas größtes Telekommunikationsunternehmen China Telecom. Das Unternehmen ist in New York und Hongkong börsennotiert, die Mehrheit der Aktien hält aber der chinesische Staat. Auf Anfrage erklärt eine Sprecherin der Firma: „China Telecom bestreitet jede Form von Entführung von Internetdatenverkehr.“ McAfee-Forscher Dmitri Alperovitch bezeichnet die von seinem Unternehmen beobachtete Datenumleitung als einen der größten Fälle, wenn nicht sogar den größten Fall dieser Art. Vergleichbare Ereignisse gab es schon zuvor: Als ein pakistanischer Internetprovider im Jahr 2008 den Zugriff auf YouTube aus dem Staat verhindern wollte, leitete er für kurze Zeit sämtliche YouTube-Abrufe auf die eigenen Seiten – YouTube war für kurze Zeit offline. Experten bestätigen, dass die in dem Kongressbericht beschriebene Umleitung von Datenpaketen grundsätzlich möglich ist. Matthias Wählisch, Informatiker an der FU Berlin, erklärt, dass die Weiterleitung des Datenverkehrs zwischen Providern in der Tat sehr anfällig für derartige Fehlinformationen sei: „Solch eine falsche Übermittlung kann aufgrund von Fehlkonfigurationen oder auch mutwillig passieren. Beides geschieht gar nicht so selten.“

Provider können fremden Datenverkehr leicht ansaugen

Um an bestimmte Daten zu kommen, für die er gar nicht verantwortlich ist, kann ein Provider so vorgehen, wie es der Expertenbericht an den Kongress beschreibt. Wählisch: „Er muss einfach einen Weg propagieren, der attraktiver als die bestehenden Wege ist. Oder er behauptet einfach, er sei der Eigentümer dieses Netzes. Damit zieht er sozusagen fremden Verkehr an. Und einen attraktiveren Weg zu verbreiten, ist recht einfach.“ Internetdienstleister nutzen Filter, um solches Routing, Hijacking und Fehlkonfigurationen zu blocken. Da solche Filter aber oft (semi-)manuell gepflegt werden, seien sie nie vollständig. Geht man davon aus, dass die von McAfee und dem US-Kongress beschriebene Umleitung des US-Datenverkehrs auf chinesische Server tatsächlich erfolgt ist, stellt sich die Frage: Warum? Es könnte sich um einen Konfigurationsfehler handeln. Aber, so schreiben die Autoren des US-Berichts: „Dieser Zugriff auf Daten könnte die Überwachung bestimmter Nutzer oder Seiten ermöglichen. Er könnte bestimmte Datenverbindungen kappen oder Nutzern bestimmte Seiten unzugänglich machen oder die Daten umleiten.“ Sind die Daten unverschlüsselt, lassen sich auch Anwendungsinformationen auslesen, also zum Beispiel Passwörter oder der Inhalt von E-Mails. Laut Experten sind bei einer solchen Umleitung auch (zum Beispiel per SSL) verschlüsselte Daten nicht sicher. McAfee-Forscher Dmitri Alperovitch erklärt, dass chinesische Nachrichtendienste derart verschlüsselte Kommunikation entschlüsseln könnten. Da das CNNIC (China Internet Network Information Center) bestimmte Zertifikate für die Verschlüsselung ausstellen kann, wäre mit einem Zugriff auf diese eine Entschlüsselung des Datenverkehrs möglich. Alperovitch erklärt: „Wer diese Zertifikate besitzt, die im Datenverkehr automatisch als vertrauenswürdig gelten, und Datenverkehr über eigene Server umleitet, kann viele Arten von Verschlüsselungen von Browsern, Voice-over-IP-Daten und Instant-Messaging-Diensten knacken. Dieses Angriffsszenario hält Michael Horn, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), für realistisch: „Ich gehe davon aus, dass das bereits hier und da passiert. SSL in der derzeitigen Implementation – gerade in Browsern – schützt nur sehr mangelhaft gegen derlei Attacken.“ Laut Horn kann jede Zertifizierungsstelle theoretisch falsche Zertifikate ausstellen, wenn sie das möchte. Darunter würde natürlich die Glaubwürdigkeit bei der Zielgruppe der vermarkteten Produkte (kommerzielle SSL-Zertifikate) leiden, aber, so wendet CCC-Sprecher Horn ein: „Da sind die Befindlichkeiten einer Verisign als US-amerikanisches Unternehmen natürlich andere als die von CNNIC, aber ausgeschlossen ist da nichts. Horn nennt die Methode alt – dieser Angriff sei so alt wie das System, über das Internetprovider Routing-Informationen austauschen. Ein Schutz gegen solche Umleitungen von Datenströmen könnte ein Signatur-System der Provider-Mitteilungen sein. Horn: „Im Fazit bin ich überrascht, dass sich China hier so plump angestellt hat.

Quelle: Spiegel.de, Supportstore.de, Sl-reseller.de, Domain-Portal24.de

Psychokrieg gegen Deutschland


Geplante Terroranschläge

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Foto: dapd

Al-Qaida und Co. wollen Deutschland angreifen. Innenminister de Maizière warnt vor Anschlägen noch im November, die Polizei verstärkt ihre Kontrollen auf Flughäfen und Bahnhöfen. Selbst wenn keine Bombe explodiert: Terroristen sind geduldig, Angst zu schüren ist für sie ein Erfolg.

Berlin – Wie wahrscheinlich ist ein Terroranschlag an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Land? Eine solche Einschätzung ist ein schwieriges Geschäft. Verschiedene Arten von Informationsschnipseln – von Gerüchten über mitgeschnittene, aber missverständliche Gespräche bis zu bestätigten Fakten – müssen gewichtet werden. Außerdem gilt es, die Propaganda von Terroristen einzubeziehen: Wie ernst sind deren Drohungen zu nehmen? Und wie steht es um ihre tatsächlichen Kapazitäten? Deshalb warnen Sicherheitsbehörden lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Das birgt einerseits die Gefahr, dass die Öffentlichkeit abstumpft. Andererseits: Den Anschlägen von Madrid 2004, London 2005 und Mumbai 2008 waren jeweils Warnungen vorausgegangen, trotzdem konnten sie nicht vereitelt werden. Spiegelbildlich verhält es sich mit den Terrordrohungen von al-Qaida und Co.: Viele westliche Staaten sind bedroht worden, nur in wenigen kam es zu Anschlägen. Aber überall dort, wo Bomben explodierten, hatte al-Qaida zuvor auch genau das angekündigt. In Deutschland gilt nun seit Mittwochmittag eine neue Gefahrenbewertung. Laut Innenminister de Maizière gibt es konkrete Hinweise auf geplante Anschläge. Diese Einschätzung kam zustande, weil sich das Verhältnis von abstrakten zu konkreten Informationsschnipseln verschoben hat. Die USA haben den Deutschen mitgeteilt, dass ihren Erkenntnissen zufolge vier mutmaßliche Terroristen nach Deutschland unterwegs sind und für Ende November Anschläge planen. Das ist die erste konkrete Spur überhaupt.

Maßnahmenkatalog wie im Herbst 2009

In den vergangenen Monaten hatte es bereits eine deutliche Verdichtung abstrakter Hinweise gegeben:

  • Zwei verhaftete Terrorverdächtige aus Deutschland berichteten übereinstimmend von Anschlagsplanungen al-Qaidas in mehreren Staaten Europas, darunter Deutschland.
  • Die USA hatten Hinweise weitergeleitet, denen zufolge ein circa dutzendköpfiges Terrorkommando auf dem Weg nach Europa sei, um Anschläge im Stil der Attacken von Mumbai 2008 durchzuführen.
  • Die antiwestliche Propaganda von al-Qaida und Co. hatte sichtbar zugenommen.
  • Mehrere deutsche Dschihadisten im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet sprachen über eine Rückreise nach Deutschland.

In der Summe befand Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nun, dass die Erkenntnislage eine Neubewertung rechtfertigt. Sie fiel deutlich aus: Die Bevölkerung wird um aktive Mithilfe gebeten, die Polizei wird öffentliche Einrichtungen wie Flughäfen und Bahnhöfe verstärkt schützen. Ähnlich reagierte die Bundesregierung im Herbst 2009, als al-Qaida und andere Terrorgruppen mit Anschlägen in Deutschland im Umfeld der Bundestagswahl drohten – mit dem Unterschied, dass damals keine konkrete Spur vorlag und die Gefahr abstrakt blieb.

Geduld: Die Kerntugend eines „Gotteskriegers“

Al-Qaida hatte damals einen Anschlag innerhalb von zwei Wochen nach der Wahl angekündigt, falls Angela Merkel wiedergewählt würde. Doch nichts geschah. Hat al-Qaida damals ihre Glaubwürdigkeit verloren? Die meisten Terroranalysten innerhalb und außerhalb von Regierungsbehörden glauben nicht, dass das der Fall ist. Denn dschihadistische Terroristen wie ihre Sympathisanten und potentiellen Mithelfer sind geduldig. Es besteht kein Zweifel daran, dass sie alle einen Terroranschlag in Deutschland in drei oder vier Jahren immer noch als Erfüllung des 2009 gegebenen Versprechens auslegen würden. „Sabr“ – dieser arabische Begriff, der so viel wie „Geduld“ oder „Ausdauer“ bedeutet, wird in jedem Standardwerk zur Ausbildung dschihadistischer Terroristen als Kerntugend der Gotteskrieger herausgestellt. Insbesondere al-Qaidas Strategen scheren sich wenig um westliche Uhren oder Kalender.

Sehr wohl aber um Deutschland.

Deutschland, sagt Noman Benotman, einst selbst Dschihadist im Umfeld al-Qaidas und heute Analyst bei der Londoner Quilliam Foundation, gilt für al-Qaida und Co. mittlerweile als das „schwächste Glied in der Kette“ der ISAF-Nationen, die in Afghanistan militärisch engagiert sind. Die Terroristen glauben, dass ein verheerender Anschlag in einer deutschen Stadt als Rache für den Bundeswehreinsatz am Hindukusch die öffentliche Meinung gegen eine Mandatsverlängerung wenden würde. Außerdem, so Benotman, sei Osama Bin Laden „besessen“ von dem Gedanken, wirtschaftlichen Schaden anzurichten – als wirtschaftsstärkste EU-Nation sei Deutschland dadurch ebenfalls besonders bedroht. Und schließlich, so der Analyst, halten die Extremisten im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet Deutschland für ein verhältnismäßig leicht zu treffendes Land.

Konkrete Ziele sind nicht bekannt

Es ist wahrscheinlich, dass die Terrorgruppen, die in Europa und Deutschland zuschlagen möchten, mehrgleisig vorgehen – und dass die vier mutmaßlichen Terrorplaner, vor denen die USA nun gewarnt haben, nicht das Einzige sind, das hierher unterwegs ist. Mehrere Szenarien kursieren, alle sind plausibel, keines als konkreter Plan belegt:

  • Terroristen könnten versuchen, ein Kaufhaus oder einen Bahnhof oder ein Hotel anzugreifen, ähnlich wie in Mumbai.
  • Geiselnahmen sind vorstellbar.
  • In Geheimdienst-Szenarien wird auch spekuliert, ob Weihnachtsmärkte ein Ziel sein könnten.
  • Am konkretesten ist noch die Aussage der verhafteten deutschen Dschihadisten, dass al-Qaidas Rekruteur Junis al-Mauretani von Schlägen gegen Wirtschafts- und Finanzzentren gesprochen habe.

Ähnlich wenig gesichertes Wissen gibt es mit Blick auf die möglicherweise involvierten Gruppen. Neben al-Qaida könnten dies die pakistanischen Taliban, die Islamische Bewegung Usbekistan, die pakistanische Terrorgruppe Lashkar-i-Toiba oder der zwischen den Gruppen changierende Top-Terrorist Ilyas Kashmiri und seine Gefolgsleute sein; sie alle haben Interesse an Operationen im Westen unter Beweis gestellt. Ihre realen Kapazitäten für Anschläge im Westen sind unterdessen aus der Ferne kaum einzuschätzen. Experten halten es zwar für sicher, dass diese Gruppen Anschläge im Westen durchführen wollen, aber für ungewiss, ob sie solche durch ausreichendes Training, notwendige Konspiration und genügend Ressourcen auch umsetzen können. In jedem Fall ist aber jetzt schon davon auszugehen, dass Innenminister de Maizière am 1. Dezember seine Lageeinschätzung nicht entschärfen wird. Sie gilt, ebenso wie die von ihm am Mittwoch verkündeten Sicherheitsvorkehrungen, bis auf Weiteres. Für die Terroristen ist schon das freilich ein Erfolg: Terror ist nicht nur die Bombe, sondern auch die Angst davor. Auch psychologische Zermürbung ist ein Konzept, das in al-Qaidas Strategiepapieren auftaucht. Militärischer Erfolg, schlussfolgerte schon vor Jahren der dschihadistische Vordenker Abu Musab al-Suri, sei letztlich gleichbedeutend mit „dem Maß an Furcht, das dem Feind eingeflößt wird“.

Quelle : Spiegel.de, Supportstore.de, domain-portal24.de, sl-reseller.de